Save the date (27.06.2017): Wirtschaftskonferenz, Digitalisierung – Motor für Berlins Wirtschaft

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller lädt zur Konferenz mit der Berliner Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung ein.

Die Veranstaltung findet statt

am 27. Juni 2017, 19.00 Uhr im Willy-Brandt-Haus, Wilhelmstraße 140, 10963 Berlin

Die Chancen und Potentiale der Digitalisierung sollen für alle Beteiligten sichtbar werden, um so die Zukunft Berlins zu gestalten.

Bitte merken Sie sich bei Interesse den Termin vor.

Ein ausführliches Programm veröffentlichen wir kommenden Wochen an dieser Stelle und auf der Facebook-Seite des Fachausschusses Wirtschaft der Berliner SPD (https://www.facebook.com/faVII.SPD.Berlin/) sowie auf der Internetseite des Landesverbandes (https://www.spd.berlin/partei/landesverband/spd-aktiv/fachausschuesse/fa-wirtschaft)

Gute Arbeit in der Kreativwirtschaft – Diskussion mit Jan Stöß

Wir diskutieren mit Jan Stöß, Landesvorsitzender der SPD Berlin, über das Thema

Kreativität braucht Freiheit und Sicherheit – ein Pakt für gute Arbeit in der Kreativwirtschaft

Donnerstag, 2. Oktober 2014, 19.00 Uhr, im Kurt-Schumacher-Haus, Müllerstr- 163 (Wedding), 1. Stock – Erika-Heß-Saal

Der Kreativbereich ist für viele Menschen nach wie vor ein attraktives und innovatives Arbeits- und Berufsumfeld. Hier lassen sich eigene Ideen kreativ und künstlerisch umsetzen. Durch den Wandel von der Industrie- in die Wissensgesellschaft entstehen viele neue Arbeitsplätze und Tätigkeitsfelder in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Schnell zeigt sich jedoch, dass die soziale und wirtschaftliche Lage in kreativen Berufen und Tätigkeiten aufgrund der Arbeits- und Lebensrealitäten mitunter schwierig, sogar kritisch und prekär ist.

Die SPD kämpft gegen prekäre Beschäftigung. Flächendeckender Mindestlohn, der Zugang zur Sozialversicherung für (Solo-)Selbstständige und die Bekämpfung von sachgrundlosen Befristungen von Arbeitsverträgen. Doch wie geht es der Kreativwirtschaft mit ihren auf die Eigenarten der Branche zugeschnittenen Arbeits- und Lebensstrukturen? Dort wo allgemeine Regelungen nicht greifen, brauchen Kultur- und Kreativschaffende eigene Lösungen, die ihnen sowohl Freiheit für ihre Arbeit geben, aber auch Sicherheit für ihr Leben bieten. Ein freiwilliger Pakt kann hier die richtige, der Flexibilität der Branche angemessene Lösung sein. Ein „Pakt für Gute Arbeit“, mit dem sich die Unternehmen der Berliner Kreativwirtschaft und Institutionen für Kultur- und Wirtschaftsförderungen auf die Einhaltung wichtiger Standards einigen, die dazu geeignet sind, Kultur- und Kreativschaffenden den nötigen Spielraum für ihre oft vielfältige und individuelle Erwerbsbiografie zu geben und sie gleichzeitig langfristig und planbar absichert.

Welche Perspektiven ergeben sich für die Kultur- und Kreativwirtschaft aus Sicht der Berliner SPD?

Welchen Stellenwert wird die Kultur- und Kreativwirtschaft in der Arbeit eines Regierenden Bürgermeisters einnehmen?

Welche Maßnahmen werden zur Erhaltung der kreativen Kieze und Milieus in Berlin wirksam?

Braucht Berlin eine digitale Agenda, um auf die Veränderungen in den Arbeitsprozessen und den Arbeitsbedingungen im 21. Jahrhundert reagieren zu können?

Wie kann mit der Schaffung einer fachbereichsübergreifenden Anlaufstelle in Form der Dialog zwischen Politik und Kreativwirtschaft geführt und gemeinsame Lösungen gefunden werden?

Wie kann in der Zusammenarbeit der Ressorts Stadtentwicklung, Kultur, Arbeit und Wirtschaft die Umsetzung eines Paktes für gute Arbeit in der Kreativwirtschaft ausgestaltet werden?

Lasst uns darüber mit dem Landesvorsitzenden der Berliner SPD diskutieren!

Intensiver um die Lebenswelten von Künstlerinnen und Künstlern kümmern

Porträt Joachim Günther

Joachim Günther, Vorsitzender des Kulturforums Stadt Berlin der Sozialdemokratie

Für viele verengt sich das Thema Kultur  in Berlin auf die Frage: Brauchen wir wirklich drei Opernhäuser? Anschließend kommt dann: Und was ist mit Kitas, Schulen und dem öffentlichen Nahverkehr? Das reicht nicht, meint der Vorsitzende des Kulturforums der Berliner Sozialdemokraten, Joachim Günther, in seinem Gastbeitrag.

Kultur ist heute ein Thema in der Mitte der Gesellschaft. Auch diejenigen, die nicht zu den 3 – 5 % der Kulturinteressierten im engeren Sinne gehören konsumieren je nach Vorliebe jeden Tag jede Menge Kultur: Als Leselektüre, im Radio, im Fernsehen und immer mehr im Netz. Musik, Romane, Filme, Serien. Es ist erstaunlich: Obgleich auch die sogenannte „Massenkultur“ immer differenzierter und vielfach auch anspruchsvoller geworden ist, wird Kultur als Nischenthema angesehen. Und ein Gregor Gysi versteigt sich gar in Bezug auf seine eigene Partei zu der These, Kultur gehöre „nicht zum Markenkern der Linken“.

Die Kultur als Streitpunkt

Wie falsch. Nicht nur wir werden immer mehr in kulturelle Bezüge eingebunden – die Kultur ist inzwischen auch ökonomisch zu einem wesentlichen Schlachtfeld um Märkte und Einfluss geworden, ja sie hat es „geschafft“, ein Hauptstreitpunkt im Feilschen um das sogenannte Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA zu werden. Denn es wird mit Recht befürchtet, dass eine totale Liberalisierung zum Verlust vieler einheimischer Kultur- und Kunstprodukte führen wird. Und dies hätte nicht allein ideelle, sondern auch massive wirtschaftliche Folgen.

Schließlich steigt die Zahl derer, die in kulturbezogenen und künstlerischen Berufen arbeiten ständig – derzeit jährlich um ca. 4 %. Das macht absolut: 50.000 mehr „Kreative“ in der Bundesrepublik Jahr für Jahr. Und davon lebt ein durchaus erheblicher Anteil in Berlin.

Viele dieser Menschen pendeln zwischen Kunst, schöpferischer Arbeit, digitaler Organisation und Produktion. Die „kreative Klasse“ – häufig im Zusammenhang mit Aufwertungs- und Verdrängungsprozessen in innerstädtischen Quartieren genannt – ist in der Mehrheit aber genau Beispiel für das Gegenteil – sie ist, obgleich in der Regel gut qualifiziert – die Vorgängerin prekärer Arbeitsverhältnisse und damit so etwas wie der Dritte Stand des 21. Jahrhunderts.

Dass es nicht zuletzt kulturelle Stärken sind, von denen unsere Zukunft abhängt, wird häufig übersehen. Kulturelle Arbeit ist heute ein wesentlicher Bestandteil der gesellschaftlichen Reproduktion, der wirtschaftlichen Tätigkeit, des Wohlstandes. Es ist die Vielfalt des kulturellen Lebens, die erheblich dazu beiträgt, ein Klima der kreativen Produktion zu schaffen. So ist es geradezu paradox: Wir leben immer mehr von der Kreativität – aber viele Kreative können nicht von ihrer Arbeit leben.

Die kreativen Berufe sind daher vor allem in den Städten im Vormarsch, dort wo die SPD vorrangig ihren Anhang organisiert. Die SPD gewinnt aus dieser Klientel auch schon seit einiger Zeit neue Mitglieder. Dennoch ist keine besondere Vorliebe kreativer Klientele für die SPD zu erkennen.

Auf der anderen Seite hat auch die SPD politischen Nachholbedarf und Grund ihren Blick auf diese Klientel zu lenken, denn die soziale Situation von Kreativen deckt sich oft ziemlich gut mit dem, was sich die Partei seit jeher als soziales Credo auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Prekäre Beschäftigung, Mindestlohn und Grundeinkommen

Wer wenig Aussicht auf eine solide sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat, für den ist die Nachricht von der Einführung eines Mindestlohns noch nicht ausreichend, weil sich gerade Künstlerinnen und Künstler häufig in einem Niemandsland zwischen Selbstständigkeit und Arbeitsvertrag bewegen. Möglicherweise ist daher für viele das „bedingungslose Grundeinkommen“ erstrebenswert. Dies trifft – aus vielen nachvollziehbaren Gründen – auf die Skepsis in sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Kreisen. Aber wenn denn dem so ist, dann ist es umso wichtiger, die Frage nach einem angemessenen Einkommen zum Thema zu machen, wie auch andere Fragen der sozialen Sicherung, des Arbeits- und Urheberrechts von Bedeutung sind. Doch die Bedeutung von Kultur und kultureller Arbeit muss weit darüber hinaus gedacht werden. Kulturelle Kompetenz und Bildung sind grundlegend, um mehr Chancengleichheit in der Gesellschaft zu erreichen. Kunst und Kultur sind Katalysatoren von Toleranz und sozialem Miteinander in Zeiten der Globalisierung. Sie sind zugleich Humus für das Weiterdenken, für Fortschritt und neues Denken. Künstlerinnen und Künstler können Impulse geben, Richtungen verstärken – aber sie können sich auch abwenden bzw. sich zunehmend lauter zu Wort melden.

Signale in Richtung der Kreativen senden

Es sind also dicke Bretter zu bohren, um wirkliche Signale in Richtung vieler Kreativer zu senden. Eine Wahlkampfunterstützung von Künstlerinnen und Künstlern in einem Umfang, wie sie in den Zeiten Willy Brandts möglich war, ist nicht einfach wiederholbar. Es war die Aussicht auf mehr Teilhabe in der Gesellschaft, die damals viele Menschen in künstlerischen Berufen an die Seite der SPD führte – ein Thema, das in neuer Form auch heute wieder auf der Tagesordnung steht. Die Verständigung oder gar ein Bündnis mit den Kreativen in der Gesellschaft ist also ein strategisches Ziel für die Sozialdemokratie und zugleich alles andere als ein Selbstläufer. Heute geht es darum, die neuen kulturellen Lebenswelten zu verstehen, sie ernst zu nehmen und daraus eine Politik für die Zukunft zu formulieren.

Joachim Günther

Das Kulturforum ist ein eingetragener Verein, der seine Arbeit aus den Beiträgen seiner Mitglieder finanziert. Der Mitgliedsbeitrag pro Jahr beträgt 50 Euro. Beitrittsformulare und Berichte über die Arbeit des Kulturforums gibt es unter www.kultur-in-berlin.com

Der Kreativ-Blog am Landesparteitag der SPD Berlin

Der Kreativ-Blog ist mit einem Stand am Landesparteitag der SPD Berlin vertreten – lest hier den Live-Beitrag von unserem Stand im Foyer des Hotel Estrel mit fast sekündlichen Updates! (den Livestream gibt es auf parteitag.spd-berlin.de)

Der Stand des Kreativblogs am Parteitag der SPD Berlin

Der Stand des Kreativblogs am Parteitag der SPD Berlin

9 Uhr – Aufbau
Wieder mal was wesentliches vergessen – wie befestigen wir unser Poster auf der Pinnwand? Kurzerhand werden vier FES-Ansteckbuttons umfunktioniert und damit das Ding angeheftet. Es dauert auch nicht lange und die erste Abteilungsvorsitzende kommt vorbei und spricht uns wegen einem Auftritt in ihrer Abteilung an.

10 Uhr
Drinnen wird gesungen, im Foyer verbrüdern sich Standbetreiber und tauschen WLAN-Passwörter und Futterquellen aus. Reges Kommen und Gehen, dank dem prominenten Platz haben wir ordentlich „Laufkundschaft“.

11 Uhr
Peer Steinbrück kommt – leider war er zu schnell um fotografiert zu werden. Aber ihr wisst ja wie er aussieht. 

11.35 Uhr
Der Peer sagt: Kreativwirtschaft kann Spaß machen, und die SPD muss das Thema Kreativwirtschaft besetzen. Finden wir auch! Übrigens, wer im AK Kreativwirtschaft des Fachausschusses Wirtschaft mitmachen will, ist herzlich willkommen. Einfach an den Stand im Foyer kommen oder uns mailen, dann kriegt ihr eine Einladung zum nächsten Treffen.

12.15 Uhr

PeerMittagessen – Bockwurst und Schrippe, und ein Apfel vom Apothekerverband. Unser Kreativ-Paparazzo hat unter großen Gefahren noch den Steinbrück fotografieren können!

11.35 Uhr
Drinnen im Saal wird geredet und gewählt. Draußen machen wir mal mit dem Abgeordneten Lars Oberg die Zusammenarbeit zum Thema open access in der Wissenschaft klar.

14.30 Uhr
Verstärkung am Stand durch Jonas und seinen Sohn Lenny. Augenscheinlich das einzige Kind auf dem LPT.

Insgesamt läuft alles sehr entspannt und zugewandt ab. Die Landesvertreterversammlung schliesst früher und macht dem anschließenden Landesparteitag Platz. Ob das an dem nahenden Fußballspiel liegt?

17 Uhr
Wir verabschieden uns mit einem Bild vom Berliner Chefkreativen vom Parteitag!

Foto: Klaus Wowereit

Im Wandel der Zeit: 54 Jahre sozialdemokratische Kultur- und Kreativwirtschaftspolitik

Kultur heute ist etwas anderes als Kultur vor 50 Jahren. Und Kreativwirtschaft gab es damals noch gar nicht. Entsprechend hat sich die Kultur- und Kreativwirtschaftspolitik in fünf Jahrzehnten stark verändert, und war darin immer an die Trends und Ansichten ihrer Zeit gebunden. Vom Godesberger SPD-Programm 1959 bis zum Wahlprogramm 2013 gibt dieser Artikel einen Überblick, wie sich die sozialdemokratische Kultur- und Kreativwirtschaftspolitik im Laufe der Jahre verändert hat. (Alle Zitate aus den am Schluss aufgeführten Quellen der einzelnen Parteipublikationen)

 

Godesberger Programm 1959: Kultur als individuelle Kraft und Freiheit

„Freiheit“ und „frei“ sind die zentralen Begriffe, als 1959 über Kultur geschrieben wurde: „Die schöpferischen Kräfte müssen (…) sich frei entfalten können“, dem „künstlerischen Schaffen ist volle Freiheit zu gewähren“. Aufgabe des Staates soll es sein, diese Freiheit zu schützen und zu fördern, zwecks „Förderung schöpferischer Gestaltungskraft und der Vermittlung kultureller Werte.“ Das Bild von Kunst und Kultur ist hier ein traditionell klassisch-aufklärerisches: Als künstlerische Ausdrucksform des Einzelnen, als Wert für die Allgemeinheit. Keine Rede hingegen ist (im durchaus kurzen und knappen Programm von 1959) von der politischen und der wirtschaftlichen Dimension der Kultur, die erst später hinzukommen.

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