Konsolidierung und teils immer noch prekär

Die Kreativwirtschaft in Berlin und Brandenburg durchläuft eine Phase der Konsolidierung. Die Euphorie und Aufbruchstimmung aus den Jahren seit 2011 ist deutlich gedämpfter, so konstatiert es der aktuelle Kultur- und Kreativwirtschaftsindex 2015 (KKI).

Dabei hat sich die Kultur- und Kreativwirtschaft in Berlin und Brandenburg zu einer festen Säule der Wirtschaft entwickelt. Bei den Umsätzen (im Jahr 2013) zieht die Branche mit 15,6 Mrd. Euro mittlerweile fast mit der Bauwirtschaft gleich und beschäftigt inzwischen fast 220.000 Erwerbstätige (Angestellte und Selbstständige). Tendenz: weiter steigend.

Dennoch werden im Detail teils erhebliche Unterschiede in der Situation der Teilmärkte deutlich. Nachwie vor ist der Anteil der Kreativen, die von ihren Einkommen schlecht oder gar nicht leben können in den Bildenden und darstellenden Künsten dramatisch hoch. Prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse sind in diesen Bereichen trotz wirtschaftlich guter Gesamtlage nach wie vor anzutreffen. Dabei ist umso alarmierender, dass sich diese Branchen von der Politik schlecht oder gar nicht unterstützt fühlen (42% der Befragten laut KKI).

Zugleich droht Berlin durch den schnellen Wandel gerade im Bereich günstiger Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten einen seiner wesentlichsten Standortvorteile zu verlieren. War dies in früheren Untersuchungen des KKI noch umgekehrt und die gute Wohnraumsituation in Berlin einer der Hauptanziehungspunkte für den Zuzug von Kreativen in die Hauptstadt, so hat sich dies inzwischen ins Gegenteil verkehrt. Dennoch bleibt Berlin wegen seiner Dichte an kulturellen Angeboten, der touristischen Attraktivität, der Vielzahl an Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten und dem hohen Grad der Internationalisierung nach wie vor ein attraktiver Standort. Die Kultur- und Kreativwirtschaft steht dabei zugleich in Symbiose mit vielen anderen Wirtschaftszweigen der Region.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft hat schon für sich in den letzten Jahren nicht nur auf Bundesebene, sondern noch stärker in Berlin-Brandenburg zugenommen. Darüber hinaus geht von ihr jedoch auch eine starke Strahlkraft in andere Wirtschaftszweige aus, z. B. in den Tourismus, oder in alle Branchen, deren Fachkräftebindung durch einen kulturell attraktiven Standort erheblich verbessert wird. Insofern lohnt es, diesem Sektor besondere Aufmerksamkeit zu widmen. (Quelle: KKI2015, S. 3).

Während die Anzahl der Neugründungen in den Kreativbranchen weiterhin rückläufig ist, nimmt das Alter der Unternehmen weiter zu. Daraus lässt sich schließen, dass sich die Kultur- und Kreativwirtschaft stabilisiert und in Teilen bereits in Konsolidierung begriffen ist. Das Marktumfeld entwickelt sich dagegen positiv. Die Absätze für Güter der Kultur- und Kreativbranche stiegen seit 2011 kontinuierlich an, d.h. dass zunehmend mehr Güter auch in der Region abgesetzt werden können und Berlin-Brandenburg damit als Absatzregion an Bedeutung gewinnt. Dennoch spiegeln sich die verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (noch) nicht in den Einkommen wieder. Hier geben im KKI nur noch 38% der Befragten an, mit ihren Einkommen zufrieden zu sein.

Das die Kultur- und Kreativbranche äußerst heterogen strukturiert ist, zeigt sich im aktuellen KKI sehr deutlich. Um Berlin also künftig als Metropolregion der Kultur- und Kreativwirtschaft zu behaupten, braucht es daher in den kommenden Jahren verstärkte und gezielte Anstrengungen seitens der Politik.

Der aktuelle Kultur- und Kreativwirtschaftsindex (KKI) für 2015 ist abrufbar unter: http://www.berlin.de/projektzukunft/ikt-wirtschaft/mobile/artikel/kultur-und-kreativwirtschaftsindex-veroeffentlicht-branche-ist-endgueltig-bedeutender-wirtschaftsfa/

Kreativwirtschaft wächst moderat und gründet weniger

Aussagen aus dem aktuellen Monitoring-Bericht des BMWi

Der aktuelle Monitoring-Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) zeigt positive Entwicklungen in der Kultur- und Kreativwirtschaft auf. So sind die Umsätze um 2% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Die wichtigsten Eckdaten:

  • 249.000 Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft
  • 146 Milliarden EUR Umsatz in 2014 (+2,2%)
  • 1,62 Millionen Beschäftigte (abnehmende Zahl der geringfügig Beschäftigten)

Das Wachstum in der Branche ist dabei sehr unterschiedlich verteilt. Während der Werbe-, Presse- und Kunstmarkt weiterhin schrumpfen, wächst die Software- und Gamesbranche deutlich überdurchschnittlich mit 7%.

Die Zahl der geringfügig Beschäftigten in der Kultur- und Kreativwirtschaft nimmt weiterhin ab, ein positiver Trend, der bereits seit einigen Jahren anhält. Nach wie vor ist die Kultur- und Kreativwirtschaft vorwiegend von Klein- und Kleinstunternehmen geprägt. In den Unternehmen sind durchschnittlich 4 Menschen tätig. Insgesamt liegt die Zahl der Beschäftigten in der Kultur- und Kreativwirtschaft aber über den Beschäftigtenzahlen der Automobilindustrie, dem Maschinenbau oder der chemischen Industrie.

Die Zahl der Neugründungen hat weiter nachgelassen und erreicht nun den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Mit Ausnahme der der Software- und Gamesbranche sind alle anderen Teilmärkte seit Jahren rückläufig. Das ist insofern bedeutend, als dass es gerade die kleinen und neu gegründeten Unternehmen sind, welche als besonders innovativ eingeschätzt werden. Die Innovationskraft der Kultur- und Kreativwirtschaft strahlt dabei auch in andere Branchen aus.

Der Monitoring-Bericht ist abrufbar auf den Seiten des BMWi unter: http://www.kultur-kreativ-wirtschaft.de/KuK/Navigation/Mediathek/publikationen,did=741868.html

Gute Arbeit in der Kreativwirtschaft – Diskussion mit Jan Stöß

Wir diskutieren mit Jan Stöß, Landesvorsitzender der SPD Berlin, über das Thema

Kreativität braucht Freiheit und Sicherheit – ein Pakt für gute Arbeit in der Kreativwirtschaft

Donnerstag, 2. Oktober 2014, 19.00 Uhr, im Kurt-Schumacher-Haus, Müllerstr- 163 (Wedding), 1. Stock – Erika-Heß-Saal

Der Kreativbereich ist für viele Menschen nach wie vor ein attraktives und innovatives Arbeits- und Berufsumfeld. Hier lassen sich eigene Ideen kreativ und künstlerisch umsetzen. Durch den Wandel von der Industrie- in die Wissensgesellschaft entstehen viele neue Arbeitsplätze und Tätigkeitsfelder in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Schnell zeigt sich jedoch, dass die soziale und wirtschaftliche Lage in kreativen Berufen und Tätigkeiten aufgrund der Arbeits- und Lebensrealitäten mitunter schwierig, sogar kritisch und prekär ist.

Die SPD kämpft gegen prekäre Beschäftigung. Flächendeckender Mindestlohn, der Zugang zur Sozialversicherung für (Solo-)Selbstständige und die Bekämpfung von sachgrundlosen Befristungen von Arbeitsverträgen. Doch wie geht es der Kreativwirtschaft mit ihren auf die Eigenarten der Branche zugeschnittenen Arbeits- und Lebensstrukturen? Dort wo allgemeine Regelungen nicht greifen, brauchen Kultur- und Kreativschaffende eigene Lösungen, die ihnen sowohl Freiheit für ihre Arbeit geben, aber auch Sicherheit für ihr Leben bieten. Ein freiwilliger Pakt kann hier die richtige, der Flexibilität der Branche angemessene Lösung sein. Ein „Pakt für Gute Arbeit“, mit dem sich die Unternehmen der Berliner Kreativwirtschaft und Institutionen für Kultur- und Wirtschaftsförderungen auf die Einhaltung wichtiger Standards einigen, die dazu geeignet sind, Kultur- und Kreativschaffenden den nötigen Spielraum für ihre oft vielfältige und individuelle Erwerbsbiografie zu geben und sie gleichzeitig langfristig und planbar absichert.

Welche Perspektiven ergeben sich für die Kultur- und Kreativwirtschaft aus Sicht der Berliner SPD?

Welchen Stellenwert wird die Kultur- und Kreativwirtschaft in der Arbeit eines Regierenden Bürgermeisters einnehmen?

Welche Maßnahmen werden zur Erhaltung der kreativen Kieze und Milieus in Berlin wirksam?

Braucht Berlin eine digitale Agenda, um auf die Veränderungen in den Arbeitsprozessen und den Arbeitsbedingungen im 21. Jahrhundert reagieren zu können?

Wie kann mit der Schaffung einer fachbereichsübergreifenden Anlaufstelle in Form der Dialog zwischen Politik und Kreativwirtschaft geführt und gemeinsame Lösungen gefunden werden?

Wie kann in der Zusammenarbeit der Ressorts Stadtentwicklung, Kultur, Arbeit und Wirtschaft die Umsetzung eines Paktes für gute Arbeit in der Kreativwirtschaft ausgestaltet werden?

Lasst uns darüber mit dem Landesvorsitzenden der Berliner SPD diskutieren!

Berlin macht einen Punkt…

DSC06248dotBerlinWer bislang eine Internetadresse reservieren wollte, nutzte eine der üblichen Endungen wie .com oder .de.  Seit März hat nun auch das Land Berlin eine eigene Endung. Was mit der Punkt-Berlin-Adresse erreicht werden kann und soll, welche Wirkungen damit für das Land und seine Kreativbranche möglich werden, wollte der Fachausschuss Wirtschaft auf einer Veranstaltung klären, die in Zusammenarbeit mit den Berliner Wirtschaftsgesprächen organisiert wurde. Im Vordergrund standen aber schnell ganz praktische Fragen der Vergabe.

Rund drei Wochen nach dem Start der Vermarktung der Toplevel-Domain (TLD)  .berlin  gab es nach Aussage von  Dirk Krischenowski, Gründer und Geschäftsführer der dotBerlin GmbH, rund 44.000 Reservierungen.    Krischenowskis Firma  hat mit der amerikanischen ICANN, einem Unternehmen, das die weltweite Adressenvergabe im Internet organisiert, einen Vertrag über den Betrieb von .berlin abgeschlossen, musste dafür einen sechsstelligen Betrag zahlen.  Neun Jahre zuvor, so hatte es Senatskanzleichef Björn Böhning  in alten Protokollen gefunden, war Krischenowski erstmals mit der Idee einer solchen Berlin-Domain bei der Senatskanzlei vorstellig geworden. Es brauchte dann lange Jahre  der Verhandlungen mit der ICANN , die schließlich dazu führten, dass sich dotBerlin in einem Vergabeverfahren des Landes Berlin   gegen inzwischen mehrere Mitbewerber durchsetzte.

Mit der neuen Domain-Endung soll der Adressenknappheit  im Internet begegnet werden. Angesichts von gut 15 Millionen vergebenen .de-Domains wird es für neue Unternehmen immer schwieriger, eine einprägsame und passende Internetadresse zu bekommen. Über solche regionalisierten Domain-Endungen  – am Start sind derzeit zum Beispiel auch .hamburg oder.bayern – wäre das wieder möglich. Ein weiteres Problem, auf das Diskussionsteilnehmer hinwiesen, sind Unternehmen, die Domains reserviert haben, um sie dann teuer zu verkaufen.  Die durch sie blockierten Adressen verknappen den Markt zusätzlich.

Nur angerissen werden konnten in der Diskussion die Möglichkeiten, die sich durch die Verbindung mit Berlin als Marke ergeben. Zwar wird es zunächst vielfach bloße Weiterleitungen von .berlin-Adressen auf bereits bestehende .de-Adressen geben. Aber die Chance, sich als regionales Unternehmen zu profilieren und dies über eigene Angebote auf einer eigenen Internetpräsens zu  unterstreichen, könnten längerfristig immer mehr Betriebe überzeugen, hier zu investieren.   Ein kurzer Name sei auf jeden Fall von Vorteil bei der Auffindbarkeit in Suchmaschinen,  so Helga Krüger,  Geschäftsführerin der http.net Internet GmbH und Vorstandsmitglied der Denic eG., die für die Vergabe der deutschen de-Adressen zuständig ist.  Derzeit bestehe allerdings auch die Gefahr, dass das Projekt an der Vergabepraxis scheitere.

Tatsächlich standen die aktuellen Probleme bei der  Reservierung der neuen Domains schnell im Vordergrund, weil viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer damit bereits Erfahrungen gesammelt hatten.  Rund 70.000 Adressen sind derzeit aus unterschiedlichsten Gründen gesperrt. Einige von der Icann aus technischen Gründen, etliche auf Wunsch des Senats, um wichtige Begriffe und Namen von Behörden, aber auch viele Straßennamen zu schützen, wieder andere sollen erst nach einer gewissen Zeit als „Premiumdomains“ auf den Markt kommen.  Anfangs seien aus den Verwaltungen und Bezirken zu viele Namen auf der Sperrliste gelandet, so Björn Böhning. Hier wurde bereits nachgebessert.  Dirk Krischenowski  betonte, dass dotBerlin den Vermarktern der Domains die notwendigen Informationen zur Verfügung stelle. Dennoch ist dort für Kunden nicht immer schnell genug klar, ob eine Berlin-Domain tatsächlich schon vergeben ist, gar nicht reserviert werden kann oder erst später freigegeben wird. Auch auf die im Internet vorhandene  Teilliste   gesperrter Adressen  wird von den großen Vermarktern nicht hingewiesen. Hier  wurde in der Veranstaltung mehr Transparenz gefordert. Dass Berlin-Domains, von einigen Werbeaktionen großer Vermarkter in den ersten Wochen abgesehen, mehr kosten als die de-Domains, begründete Dirk Krischenowski  mit den hohen Investitionskosten. Die Preise würden aber mit zunehmender Vergabe sinken können.

Freiheit oder Sicherheit? Kreativszene diskutierte über Mindeststandards

Wie viel Freiheit brauchen Kreative, wie viel Sicherheit? Diese Frage stand im Mittelpunkt  einer Diskussion über Mindeststandards in der Kreativbranche, zu der die AG Kreativwirtschaft des Fachausschusses Wirtschaft der Berliner SPD im September geladen hatte.

Diskussion über Mindeststandards in der Kreativszene

Es ist eine vielschichtige Szene, die Berlin seit Jahren bereichert, selbst aber nicht selten an der Armutsgrenze lebt. Und es ist eine sehr breit gefächerte  Szene, auf der einen Seite orientiert auf wirtschaftliche Verwertung und monetären Erfolg, auf der anderen auf den schöpferischen Prozess, auf die Kunst als Wert an sich.
„Kreativität ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts“, heißt es in einem Grundsatzpapier des  Kreativpakts, eines Bündnisses, initiiert von der SPD-Bundestagsfraktion gemeinsam mit Schriftstellern, Filmemachern, Produzenten, Verlegern, Galeristen, Architekten, Bloggern und DJs.  Der Pakt, so erläuterte Prof. Tim Renner, Geschäftsführer der Motor Entertainment GmbH, will bessere Bedingungen für die Kreativwirtschaft in Deutschland schaffen, es geht ihm um die Festschreibung von Mindesthonoraren, aber auch um eine langfristige Sicherung der Künstlersozialkasse, die für freiberuflich tätige Künstlerinnen und Künstler den Arbeitgeberanteil zur Kranken- oder   Rentenversicherung zahlt.
Einig war sich Tim Renner mit Jürgen Schepers, Branchenkoordinator Kreativwirtschaft der IHK Berlin und  Christophe Knoch, Sprecher der Koalition der Freien Szene, in der Einschätzung der Bedeutung der Kreativszene gerade für Berlin. Sie trage ganz wesentlich zum Tourismusboom und zur gestiegenen Wirtschaftskraft der Stadt bei.
So ist der Umsatz der Berliner Kulturwirtschaft seit dem Jahr 2000 um 25 Prozent gestiegen. Für Berlin, das aufgrund der  historischen Entwicklung über  weniger Industriearbeitsplätze verfügt, ist das ein Lichtblick. Viele  große Firmen hatten  der  Stadt  in den vierziger und fünfziger Jahren  schon während der massiven Bombardierungen und später während der Ost-West-Auseinandersetzungen den Rücken gekehrt. Der Westteil Berlins wurde zur verlängerten Werkbank,  Industrie siedelte sich allenfalls an, um Fördermittel  beanspruchen zu können. Ost-Berlins Industrie war nicht konkurrenzfähig, nach 1989 wurden die Betriebe weitgehend geschlossen.  Gerade die Umbruchsituation, die freien Räume, die günstigen Mieten zogen nun Künstler und Startup-Unternehmer an.
Noch ist Kreativität in Berlin ein nachwachsender Rohstoff, doch müsse das nicht so bleiben, warnten Diskussionsteilnehmer. Andere europäische Metropolen könnten Berlin den Rang ablaufen, wenn hier die Mieten weiter steigen und die soziale Situation schwieriger wird.
Jürgen Schepers wies auf die sehr unterschiedlichen Bedingungen  der verschiedenen Bereiche hin, die eben nur zum Teil auf Gewinnerzielung und den Markt ausgerichtet seien. Aber auch im öffentlich geförderten Kulturbereich ist die Situation nicht einheitlich. Zwar ist der Kulturetat in den vergangenen Jahren trotz Sparzwangs stabil geblieben oder sogar gestiegen. Aber manche Erhöhung ist auch in Tariferhöhungen der festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Theatern und Opernhäusern geflossen.  Ihre Förderung steht weitgehend fest, sie bieten den Beschäftigten ein Stück mehr Sicherheit.  Dort, wo aus dem Kulturetat einzelne künstlerische Projekte gefördert werden,  gibt es solche Tariferhöhungen nicht.  Die Folge sind weitere Einschränkungen in den Honoraren. Vehement forderte Christophe Knoch eine stärkere finanzielle Unterstützung der vielfältigen Angebote der freien Szene durch den Berliner Senat ein.   Aus Steuermitteln müssten letztlich auch Forderungen der freien Szene nach  Ausstellungshonoraren  für Künstlerinnen und Künstler, die in kommunalen Galerien ihre Arbeiten zeigen,  finanziert werden.
Die Frage, wie viel Geld die Gesellschaft für Kunst und Kultur zur Verfügung stellt, stand damit zwar im Mittelpunkt der Diskussionsveranstaltung.  Aber bei aller Unterschiedlichkeit der Bereiche: Viele Entwicklungen treffen die gesamte Kreativszene.  Mit steigenden Mieten kämpfen Künstlerinnen und Künstler, die Ateliers suchen,  genauso wie die Gründer von Startup-Firmen. Steigende Kosten verringern zugleich die Spielräume für die Bezahlung von Mitarbeitern.  Selbstausbeutung gehört zum Alltag von Schauspielerinnen oder Schauspielern  freier Theatergruppen ebenso wie  von Praktikantinnen und Praktikanten in Internet-Firmen.
Klar ist: Kunst und Kreativität braucht Freiheit.   Diese Freiheit wird oft genug mit finanziellen Einschränkungen erkämpft.  Staat und Wirtschaft profitieren von der kreativen Arbeit und ihren schöpferischen Prozessen und müssen deshalb auch gemeinsam für ihren Erhalt und ein Stück Sicherheit in der Freiheit sorgen.
Stellschrauben dafür gibt es viele. Das kann eine veränderte Liegenschaftspolitik für Gründer sein, eine gut organisierte Zwischennutzung von Läden der städtischen Wohnungsbaugesellschaften durch Künstler, der Ankauf von Kunst über eine erneuerte Soziale Künstlerförderung, Beratungs- und Vernetzungsangebote für Firmen, die Durchsetzung  von Mindestlöhnen und Mindesthonoraren, die Auslobung von Kunst- oder Literaturpreisen, die Förderung fairer Arbeitsverhältnisse. Über all diese und viele weitere Fragen sollte die Diskussion fortgesetzt werden.