Gründen leicht gemacht?

Ein Erfahrungsbericht aus der Perspektive der Game-Branche

Von Prof. Thomas Langhanki und Nico Nowarra

Nico Nowarra

Nico Nowarra, Dozent für Storytelling und Gamedesign

Es wird viel geschrieben über die Gründungszene in Berlin und die erfreuliche Entwicklung der Investorenlandschaft  am Standort Berlin-Brandenburg. Beinahe könnte der unbedarfte Gründer den Eindruck gewinnen, hinter jeder Ecke lauert bereits ein Business Angel oder VC (Venture-Capitalist) und winkt freundlich mit dem Scheckheft.
Leider ist man als Gründer nie so ganz allein. Es gibt eine ständig wachsende Anzahl an jungen, dynamischen Startups in unserer Region,  die jeden Monat mit neuen – mehr oder weniger – weltverändernden Konzepten die Gründungslandschaft bereichern. Wie kann man sich aus dieser Masse herausheben und was sollte man grundlegend über das Gründen in Berlin und Brandenburg wissen?

Thomas Langhanki

Thomas Langhanki, Professor für Gamedesign

Vielleicht das Wichtigste vorweg: Gründen ist ein Geschäft wie jedes andere auch. Für die frisch gebackenen Unternehmer und vor allem für deren Investoren, geht es in erster Linie darum Profit zu machen.  Ist das verwerflich oder schlecht? Sicherlich nicht. Wie überall gibt es aber Unternehmen und vor allem Menschen, die ihr Geschäft besser oder schlechter verstehen. Die richtige Auswahl der Partner ist daher sicherlich die wichtigste Entscheidung  für ein junges Unternehmen.  Es zweiter Blick kann viel Zeit und Ärger ersparen. Unternehmen und Investor müssen zusammenpassen und vor allem einander verstehen. Eine unerlässliche Hilfe bei der Suche nach dem richtigen Partner fürs Geschäftsleben ist das eigene Netzwerk.

Die Hochschulen und weitere Netzwerkplattformen

Ich habe über die Jahre die Erfahrung gemacht, dass die Studenten, die ich an der Hochschule begleitet habe,  die Möglichkeiten der Vernetzung  mit ihren Kommilitonen und vorhandenen Netzwerken selten ausreichend nutzen.  Dabei ist gerade das Studium an den Hochschulen in Berlin und Brandenburg der Ideale Platz, um als Gründer auf Gleichgesinnte zu treffen. Jede größere und auch kleinere Hochschule hat einen Karriereservice, der häufig auch mit dem Gründen beschäftigt. Darüber hinaus bieten einige Hochschulen Alumni-Vereinigungen an, über die man Verbindungen in die ganze Welt aufbauen kann.

In Berlin und Brandenburg gibt es darüber hinaus eine Vielzahl von Angeboten, die man als Gründer nutzen kann und sollte um sein Netzwerk zu erweitern. Ich werde allerdings nur die erwähnen mit denen ich persönliche Erfahrungen gemacht haben. Ich bin mir sicher, für den Interessierten gibt es ein Vielfaches mehr an guten Angeboten.

Besonders positive Erfahrungen haben wir als Unternehmen mit dem media.net berlinbrandenburg gemacht.  Keine andere Plattform die ich kenne bietet mehr Veranstaltungen und Kontakte für weniger Geld an. Die Angebote für Gründer sind über das ganze Jahr verteilt.  Spezielle INVESTORS‘ DINNER bringen Investoren und Gründer zusammen, das catapult Programm bringt jeden Monat über 100 Gründer in einem konstruktiven Austausch zusammen und vieles mehr. Ein Blick auf die Website lohnt sich in jedem Fall.

Eine andere Möglichkeit ist das MIZ in Potsdam-Babelsberg, das sich vor allem an Neugründer in der Startphase richtet. Wer hier mit frischen Ideen überzeugt kann bis zu ein Jahr nicht nur kostenlos komplett ausgestattete Büroräume nutzen, sondern bekommt ein ganzes Angebotspaket drumherum geboten. Dazu gehört auch der regelmäßige Austausch mit anderen Projekten im Haus, Schulungsangebote zur Weiterbildung, moderne technische Einrichtungen und ein dynamisches Team, das sich um die Anliegen der verschiedenen Projekte kümmert. Es gibt verschiedene Fördermaßnahmen am MIZ, je nach Konzept und Idee.

Eine weitere Möglichkeit seine innovative Ideen zu testen und den Austausch mit Gleichgesinnten zu suchen, ist das SAP Innovation Center in Potsdam. Gemeinsam mit dem Hasso Plattner Institut bietet es viele Plattformen für Gründer.  Das media.net organisiert regelmäßig gemeinsame Termine zum regen Austausch.

Investoren für sich gewinnen

Die Hauptfrage, die viele Gründer beschäftigt ist natürlich: Woher bekomme das Geld zum Starten? Und wie immer gibt es auch hier nicht den einzigen wahren Weg. Letztendlich hat jedes Startup unterschiedliche Herausforderungen und Hürden zu nehmen. Einiges bleibt aber für alle gleich.

Wir haben unsere Firmenidee in den letzten zwei Jahren gefühlt 1000 Mal präsentiert. Dabei hat sich eine Erkenntnis herauskristallisiert: Der berühmte „Elevator Pitch“, bei dem man seine Geschäftsidee in ca. 30 Sekundenpräsentieren muss, hilft tatsächlich Ideen und Konzepte klar zu strukturieren.  Was man in diesen 30 Sekunden nicht vermitteln kann, wird man einem Investor auch nicht in 5 Minuten oder  gar anderthalb Stunde klar machen können. Es lohnt sich immer wieder Zeit in diese 30 Sekunden zu investieren, bis die Formulierung perfekt sitzt.

Wer im ersten Schritt lieber auf Fördermittel zurückgreifen möchte hat die Wahl. Einige Programme gelten speziell für Berlin-Brandenburg, andere werden Deutschland ausgeschrieben oder gar innerhalb der gesamten EU. Hier sollte eigentlich jeder fündig werden. Es gibt eine Vielzahl von Programmen die auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse von Gründern zugeschnitten sind.  In jedem Fall ist es aber wichtig zu wissen, alle diese Programme, auch die kleineren, benötigen erhebliche Arbeitszeit bei der Antragstellung.  Eventuell lohnt es sich einen Spezialisten hinzuzuziehen, der das Unternehmen bei der Auswahl und Formulierung  unterstützt.

Besonders gute Erfahrungen haben wir mit dem Medienboard-Berlin Brandenburg http://www.medienboard.de gemacht. Hier gibt es nicht nur ein kompetentes Team, sondern auch die Bereitschaft sich mit neuen Ideen und ungewöhnliche Konzepte auseinanderzusetzen.

Fazit:
Egal welchen Weg Du gehst, verliere nie die Firma und Dein Produkt aus dem Auge – die harte Realität holt Dich früh genug auf den Boden der Tatsachen.

Prof. Thomas Langhanki ist Gründer und Geschäftsführer der Experimental Game GmbH und Professor für Game Design an der Mediadesign Hochschule Berlin. Er entwickelt, berät und forscht im Bereich von Computer- und Videospielen, seit mehr als 20 Jahren.  Aktuell entwickelt er die erste Technologie zur Umsetzung von interaktiven Serien und Newsformaten.

Nico Nowarra arbeitet als freier Journalist und Autor sowie als Dozent für Storytelling und Gamedesign. Seit rund 15 Jahren sind Computerspiele das zentrale Element seiner Tätigkeit, daneben war er aber auch an der Entwicklung von Hörspielen und innovativen Konzepten für den Hörfunk beteiligt.