Kultur als tragende Säule der Stadt

Für die Entwicklung Berlins ist Kultur eine der tragenden Säulen. Das machte Berlins Regierender Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller jetzt in einer kulturpolitischen Grundsatzrede deutlich. „Ohne Kunst und Kultur wäre dieses solidarische und gute Zusammenleben in unserer Stadt nicht möglich.“ Auch bei der Integration der nach Berlin geflüchteten Familien setzt Müller auf die Berliner Kultur.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister Berlin.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister Berlin.

Ein gutes Dreivierteljahr nach seinem Amtsantritt und mitten in den Haushaltsberatungen für die kommenden zwei Jahre gab Michael Müller auf Einladung des Kulturforums Stadt Berlin der Sozialdemokratie einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen. Die Vielfältigkeit und das Miteinander von Freier Szene und großen Häusern sei dabei eine der Stärken der Stadt, so Müller.

Als eine der großen  Aufgaben sieht Müller die Gestaltung des Humboldtforums  an. Der Bund engagiere sich damit im Herzen der Hauptstadt und Berlin werde auf seinen 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche mit seinem neuen Ausstellungskonzept einen Beitrag zur aktuellen Debatte leisten. „Die Idee für das Humboldtforum, diese Geschichte, in der sich unzählige Völker wiederfinden werden in „Welt.Stadt.Berlin“ zu erzählen, wird der Welt etwas von dem zurückgeben, was sie uns über Jahrhunderte durch Zuwanderung geschenkt hat“, so Müller.

Die Ausstellung im Humboldtforum werde zeigen, wie sich 200 Jahre Migration in der Berliner Geschichte widerspiegeln. „Wir bekommen viel Unterstützung für unseren neuen Ansatz“, so Müller.

Was die Entwicklung der Theater,  Opernhäuser und Museen angeht, hat der Kultursenator bereits mit den ersten Personalentscheidungen deutliche Akzente gesetzt. So wurde der renommierte Museumsmann Paul Spies als Direktor der Stiftung Stadtmuseum gewonnen. „Seine Aufgabe wird es sein, die Stiftung und ihre Arbeit neu auszurichten“, so Müller. Spies soll zugleich an der Ausstellung im Humboldtforum mitwirken..

Mit der vieldiskutierten Berufung von Chris Dercon an der Volksbühne werde ein neuer Schritt gegangen, die Grenzüberschreitung des klassischen Theaters hin zur Bildenden Kunst, dem Tanz und zu anderen Darstellungsformen zu erkunden. Viel verspreche er sich auch von der Zusammenarbeit Jürgen Flimms mit dem Nachfolger in der Intendanz Matthias Schulz vom Mozarteum.

Die Bedeutung der Kultur für Berlin spiegelt sich auch im Haushaltsentwurf 2016/2017 wider: 2016 erhöht sich der Etat um knapp 7 %  auf rd. 504,5 Mio.  Euro.  Für das Jahr 2017 ist sogar eine Steigerung um über 10 %  auf dann 521,6 Mio. € vorgesehen. Müller: „Wir bewegen viel Geld für die Kultur. Das Mehr an Geld ist aber dringend notwendig, um der Kultur wieder Spielräume zu geben. Denn ein großes Problem in Kunst und Kultur – nicht nur in Berlin, sondern generell in Deutschland – ist die schleichende Erdrosselung der künstlerischen Leistung durch steigende Fix-  und Personalkosten. Hier setzen wir an und erhöhen damit Spielräume für die künstlerischen Aspekte.“

Deutlich erhöht werden die Mittel für die Freie Szene, Michael Müller sicherte zu, sich dafür einzusetzen, dass ihr auch höhere Einnahmen aus der City-Tax zugutekommen.  „Das ist mir wichtig, auch, weil die Freie Szene die City Tax mit erstritten hat“, so Müller.
Förderung erfolgt auch über  Stipendien und Preise. Es müsse zudem Räume für Kunst und Kultur  geben, so Müller.   Hier wurden die Fördermittel ebenfalls deutlich aufgestockt.
Die finanzielle Lage vieler Kreativer bleibt schwierig. Da der Mindestlohn meist nicht greife, müssten langfristig neue Wege gefunden werden. Müller verwies aber auf die Stärkung der Ankaufsetats für die Sammlungen und Ausstellungshonorare für Landes- und Bezirkseinrichtungen.

Kreativpakt – ein Bündnis aus Kunst, Wirtschaft und Politik

Foto  Peter Ruhenstroth-Bauer

RA Peter Ruhenstroth-Bauer, Kommunikations­berater in Berlin und Bonn ist Unterstützer des Kreativpakt Vereins, Email (info@p-r-b.de)

Vor Wahlen melden sich oft KünstlerInnen als UnterstützerInnen des politischen Spitzenpersonals zu Wort. Im letzten Bundestagswahlkampf, 2009, war das ein wenig anders. Damals haben sich auf Initiative des Musikproduzenten und Radiomachers Tim Renner Kreative aus allen künstlerischen Sparten mit einem überparteilichen Aufruf zu Wort gemeldet, der etwas von der Politik verlangte. Mit dem Aufruf „Wir brauchen einen Kreativpakt!“ formulierten Kreative von Theater über Literatur bis zur Musik erstmals, was sie selbst als Rahmenbedingungen für die von der Politik immer wieder beschworene, zukunftsweisende Kreativwirtschaft verstehen. Als Erstunterzeichner traten damals u.a. der Filmemacher und Oscar-Preisträger  Pepe Danquart, der DJ Paul van Dyk, der Galerist Frank-Thomas Gaulin, die Schriftstellerin Louise Jacobs, der Designer Axel Kufus, der Blogger Sascha Lobo und der Architekt Meinhard von Gerkan auf. Die UnterzeichnerInnen sprachen sich in fünf Bereichen /Bildung, Soziale Sicherheit, Wertschöpfung und Eigentum, Chancengleichheit und Informationsfreiheit für konkrete Verbesserungen aus.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist längst zu einem heimlichen Wirtschaftsfaktor
geworden – und das nicht nur in Berlin. (vgl. Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland 2010. BMWi (Hrsg.) 2012. So waren es vor zwei Jahren schon rund 240.000 Unternehmen die unmittelbar im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig waren. Knapp 90 Prozent von ihnen zählen zu den Klein- bzw. Kleinstbetrieben mit bis zu 10 Beschäftigten. Gerade auch für diese jungen und kleinen Unternehmen sollen, so der Aufruf, die Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden. Und noch eine andere Zahl macht deutlich, dass Kultur- und Kreativwirtschaft eine enorme ökonomische Dimension erreicht hat. Rund eine Million Beschäftigte erzielten einen Umsatz von mehr als 137 Milliarden Euro. Und damit ist diese Sparte auf Augenhöhe mit der Automobilindustrie und generierte mehr Umsatz als die Chemieindustrie.

Frank-Walter Steinmeier hat die Forderungen der Kreativen 2009 in seinen Deutschlandplan aufgenommen. Aber auch nach den letzten Bundestagswahlen standen die Voraussetzungen für eine Weiterentwicklung des Potenzials der Kreativwirtschaft weiter auf der Tagesordnung – in der SPD Bundestagsfraktion aber auch bei den Kreativen selbst: sie hatten sich mittlerweile in dem Kreativpakt – Verein eine Form gegeben, um sich für die Verbesserung der Bedingungen der Kreativen einzusetzen. Frank-Walter Steinmeier und die SPD-Bundestagfraktion hat die Kreativwirtschaft als eines der Schwerpunktthemen in dem langfristig angelegten Diskussionsprozess über das Projekt ”Zukunft – Deutschland 2020“ integriert. Das Ergebnis dieses Prozesses kann man hier nachlesen: Reboot Arbeit, update Urheberrecht, bildet soziale Netzwerke! Der Kreativpakt – ein Bündnis von Kultur, Wirtschaft und Politik“.

Die in der Kreativwirtschaft Beschäftigten, so das Ziel, müssen verlässlich sozial abgesichert sein und die Rahmenbedingungen kreativer Arbeit – vom Urheberrecht über die Netz- und Bildungspolitik bis zur Kultur- und Wirtschaftsförderung müssen so gestaltet werden, dass sie wirklich das Potenzial der Kreativwirtschaft in Deutschland weiter entwickeln.

Auf dem Zukunftskongress der SPD-Bundestagfraktion Mitte September 2012 wurden die Ergebnisse dieses Arbeitsprozesses vorgestellt und diskutiert: so wird ein modernes Urheberrecht gefordert, das sich an der Maxime Vergüten statt verbieten ausrichtet. Die Künstlersozialversicherung (KSK) soll modernisiert und erweitert werden. Hier geht es vor allem um die Neudefinition des Künstlerbegriffs für die KSK. Die Kulturförderung darf sich nicht mehr an dem Prinzip „ einmal gefördert – immer gefördert“ ausrichten, sondern muss Experimente zulassen und Avantgarde fördern. Die Wirtschaftsförderung soll gerade bei den Existenzgründungen stärker an den Voraussetzungen der Kreativwirtschaft gemessen werden. Bildung und Weiterbildung müssen den neuen Anforderungen der Arbeitswelt in der Kreativwirtschaft gerecht werden. Und öffentliches WLAN in öffentlichen Räumen sind neben der gesetzlich verankerten Netzneutralität und Diskriminierungsfreiheit Anforderungen an die Netzpolitik.

RA Peter Ruhenstroth-Bauer, Kommunikationsberater in Berlin und Bonn ist Unterstützer des Kreativpakt-Vereins.

Berlin hat nicht auf dich gewartet – aber so könntest du dort dennoch an einen Job in Film und Fernsehen kommen

Berlin nimmt einen exponierten Standort in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft ein. Die jährliche Produktion von mehr als 300 Kinofilmen und 2000 Unternehmen in der Film und TV-Wirtschaft locken jährlich hunderte Kreative und andere Film- und Fernsehschaffende und solche, die es werden wollen, in die Hauptstadt. Doch nicht jeder schafft es in den gewünschten Beruf, nicht jeder besteht gegen die große und gut qualifizierte Konkurrenz derjenigen, die sich schon in der Berliner Kreativwirtschaft etabliert haben.
Wie kann ich mich auf Berlin und seine Film- und TV-Wirtschaft vorbereiten? Was sind meine ersten Schritte? Und wer hilft mir, wenn ich nicht weiter komme?
Anhand der Geschichte zweier junger Film- und Fernsehschaffender, die neu nach Berlin kommen, werden im Folgenden zwei mögliche Wege skizziert und möglichst zahlreiche, wenn sicher auch nicht alle Antworten auf die oben genannten Fragen aufgezeigt (bitte postet deswegen bitte auch eure Erfahrungen und Tipps). Ihre Geschichte könnte so passiert sein, wurde aber zur Verdeutlichung der Fragestellung zugespitzt.

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Kreativwirtschaft und Staatliche Förderung – eine Übersicht

(über zusätzliche Links und Hinweise sind wir sehr dankbar, bitte an emanuel.wyler@kreativblog-berlin.de mailen)

Die Kreativ- und Kulturwirtschaft (für eine Begriffsdefinition siehe auch den lesenswerten Kulturwirtschaftsbericht) hat in Berlin einen hohen Stellenwert. Allerorten wird deren Wichtigkeit betont, für die Wirtschaft, für den Tourismus, für eine lebendige und dynamische Stadt. Das geschieht auch mangels Alternativen: Der Anteil der Arbeitsplätze im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe sinkt, andere Dienstleistungsbranchen wie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sind relativ klein. Durch die dynamische Szene, die vielen Hochschulen, die Internationalität und die historische Situation, die verhältnismäßig günstige Mieten ermöglicht, ist die Kreativ- und Kulturwirtschaft im internationalen Vergleich Berlins größte Stärke, und soll entsprechend gefördert werden.

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