Gute Arbeit in der Kreativwirtschaft – Diskussion mit Jan Stöß

Wir diskutieren mit Jan Stöß, Landesvorsitzender der SPD Berlin, über das Thema

Kreativität braucht Freiheit und Sicherheit – ein Pakt für gute Arbeit in der Kreativwirtschaft

Donnerstag, 2. Oktober 2014, 19.00 Uhr, im Kurt-Schumacher-Haus, Müllerstr- 163 (Wedding), 1. Stock – Erika-Heß-Saal

Der Kreativbereich ist für viele Menschen nach wie vor ein attraktives und innovatives Arbeits- und Berufsumfeld. Hier lassen sich eigene Ideen kreativ und künstlerisch umsetzen. Durch den Wandel von der Industrie- in die Wissensgesellschaft entstehen viele neue Arbeitsplätze und Tätigkeitsfelder in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Schnell zeigt sich jedoch, dass die soziale und wirtschaftliche Lage in kreativen Berufen und Tätigkeiten aufgrund der Arbeits- und Lebensrealitäten mitunter schwierig, sogar kritisch und prekär ist.

Die SPD kämpft gegen prekäre Beschäftigung. Flächendeckender Mindestlohn, der Zugang zur Sozialversicherung für (Solo-)Selbstständige und die Bekämpfung von sachgrundlosen Befristungen von Arbeitsverträgen. Doch wie geht es der Kreativwirtschaft mit ihren auf die Eigenarten der Branche zugeschnittenen Arbeits- und Lebensstrukturen? Dort wo allgemeine Regelungen nicht greifen, brauchen Kultur- und Kreativschaffende eigene Lösungen, die ihnen sowohl Freiheit für ihre Arbeit geben, aber auch Sicherheit für ihr Leben bieten. Ein freiwilliger Pakt kann hier die richtige, der Flexibilität der Branche angemessene Lösung sein. Ein „Pakt für Gute Arbeit“, mit dem sich die Unternehmen der Berliner Kreativwirtschaft und Institutionen für Kultur- und Wirtschaftsförderungen auf die Einhaltung wichtiger Standards einigen, die dazu geeignet sind, Kultur- und Kreativschaffenden den nötigen Spielraum für ihre oft vielfältige und individuelle Erwerbsbiografie zu geben und sie gleichzeitig langfristig und planbar absichert.

Welche Perspektiven ergeben sich für die Kultur- und Kreativwirtschaft aus Sicht der Berliner SPD?

Welchen Stellenwert wird die Kultur- und Kreativwirtschaft in der Arbeit eines Regierenden Bürgermeisters einnehmen?

Welche Maßnahmen werden zur Erhaltung der kreativen Kieze und Milieus in Berlin wirksam?

Braucht Berlin eine digitale Agenda, um auf die Veränderungen in den Arbeitsprozessen und den Arbeitsbedingungen im 21. Jahrhundert reagieren zu können?

Wie kann mit der Schaffung einer fachbereichsübergreifenden Anlaufstelle in Form der Dialog zwischen Politik und Kreativwirtschaft geführt und gemeinsame Lösungen gefunden werden?

Wie kann in der Zusammenarbeit der Ressorts Stadtentwicklung, Kultur, Arbeit und Wirtschaft die Umsetzung eines Paktes für gute Arbeit in der Kreativwirtschaft ausgestaltet werden?

Lasst uns darüber mit dem Landesvorsitzenden der Berliner SPD diskutieren!

Berlin macht einen Punkt…

DSC06248dotBerlinWer bislang eine Internetadresse reservieren wollte, nutzte eine der üblichen Endungen wie .com oder .de.  Seit März hat nun auch das Land Berlin eine eigene Endung. Was mit der Punkt-Berlin-Adresse erreicht werden kann und soll, welche Wirkungen damit für das Land und seine Kreativbranche möglich werden, wollte der Fachausschuss Wirtschaft auf einer Veranstaltung klären, die in Zusammenarbeit mit den Berliner Wirtschaftsgesprächen organisiert wurde. Im Vordergrund standen aber schnell ganz praktische Fragen der Vergabe.

Rund drei Wochen nach dem Start der Vermarktung der Toplevel-Domain (TLD)  .berlin  gab es nach Aussage von  Dirk Krischenowski, Gründer und Geschäftsführer der dotBerlin GmbH, rund 44.000 Reservierungen.    Krischenowskis Firma  hat mit der amerikanischen ICANN, einem Unternehmen, das die weltweite Adressenvergabe im Internet organisiert, einen Vertrag über den Betrieb von .berlin abgeschlossen, musste dafür einen sechsstelligen Betrag zahlen.  Neun Jahre zuvor, so hatte es Senatskanzleichef Björn Böhning  in alten Protokollen gefunden, war Krischenowski erstmals mit der Idee einer solchen Berlin-Domain bei der Senatskanzlei vorstellig geworden. Es brauchte dann lange Jahre  der Verhandlungen mit der ICANN , die schließlich dazu führten, dass sich dotBerlin in einem Vergabeverfahren des Landes Berlin   gegen inzwischen mehrere Mitbewerber durchsetzte.

Mit der neuen Domain-Endung soll der Adressenknappheit  im Internet begegnet werden. Angesichts von gut 15 Millionen vergebenen .de-Domains wird es für neue Unternehmen immer schwieriger, eine einprägsame und passende Internetadresse zu bekommen. Über solche regionalisierten Domain-Endungen  – am Start sind derzeit zum Beispiel auch .hamburg oder.bayern – wäre das wieder möglich. Ein weiteres Problem, auf das Diskussionsteilnehmer hinwiesen, sind Unternehmen, die Domains reserviert haben, um sie dann teuer zu verkaufen.  Die durch sie blockierten Adressen verknappen den Markt zusätzlich.

Nur angerissen werden konnten in der Diskussion die Möglichkeiten, die sich durch die Verbindung mit Berlin als Marke ergeben. Zwar wird es zunächst vielfach bloße Weiterleitungen von .berlin-Adressen auf bereits bestehende .de-Adressen geben. Aber die Chance, sich als regionales Unternehmen zu profilieren und dies über eigene Angebote auf einer eigenen Internetpräsens zu  unterstreichen, könnten längerfristig immer mehr Betriebe überzeugen, hier zu investieren.   Ein kurzer Name sei auf jeden Fall von Vorteil bei der Auffindbarkeit in Suchmaschinen,  so Helga Krüger,  Geschäftsführerin der http.net Internet GmbH und Vorstandsmitglied der Denic eG., die für die Vergabe der deutschen de-Adressen zuständig ist.  Derzeit bestehe allerdings auch die Gefahr, dass das Projekt an der Vergabepraxis scheitere.

Tatsächlich standen die aktuellen Probleme bei der  Reservierung der neuen Domains schnell im Vordergrund, weil viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer damit bereits Erfahrungen gesammelt hatten.  Rund 70.000 Adressen sind derzeit aus unterschiedlichsten Gründen gesperrt. Einige von der Icann aus technischen Gründen, etliche auf Wunsch des Senats, um wichtige Begriffe und Namen von Behörden, aber auch viele Straßennamen zu schützen, wieder andere sollen erst nach einer gewissen Zeit als „Premiumdomains“ auf den Markt kommen.  Anfangs seien aus den Verwaltungen und Bezirken zu viele Namen auf der Sperrliste gelandet, so Björn Böhning. Hier wurde bereits nachgebessert.  Dirk Krischenowski  betonte, dass dotBerlin den Vermarktern der Domains die notwendigen Informationen zur Verfügung stelle. Dennoch ist dort für Kunden nicht immer schnell genug klar, ob eine Berlin-Domain tatsächlich schon vergeben ist, gar nicht reserviert werden kann oder erst später freigegeben wird. Auch auf die im Internet vorhandene  Teilliste   gesperrter Adressen  wird von den großen Vermarktern nicht hingewiesen. Hier  wurde in der Veranstaltung mehr Transparenz gefordert. Dass Berlin-Domains, von einigen Werbeaktionen großer Vermarkter in den ersten Wochen abgesehen, mehr kosten als die de-Domains, begründete Dirk Krischenowski  mit den hohen Investitionskosten. Die Preise würden aber mit zunehmender Vergabe sinken können.

Berlin macht einen Punkt! – Welche Chancen bietet die Top-Level-Domain .berlin für die Berliner Wirtschaft?

Der SPD-Abgeordnete Frank Jahnke und der Fachausschuss Wirtschaft, Arbeit, Technologie der Berliner SPD laden in Zusammenarbeit mit den Berliner Wirtschaftsgespräche e.V. ein zur Podiumsdiskussion.

Wann: Am Donnerstag, den 03. April 2014, um 20 Uhr.
Wo: Berliner Abgeordnetenhaus (Raum 311)

Podium:

  • Björn Böhning
    (Chef der Berliner Senatskanzlei und netzpolitischer Sprecher der SPD),
  • Dirk Krischenowski
    (Gründer und Geschäftsführer der dotBerlin GmbH),
  • Helga Krüger
    (Geschäftsführerin der http.net Internet GmbH, Vorstandsmitglied des BCIX e.V. und Vorstandsmitglied der Denic eG) und
  • Dr. Sandra Schulz
    (Mitglied der Geschäftsleitung und Leiterin des Hauptstadtbüros des eco Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V.)

Begrüßung:

Frank Jahnke (Wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus)
Dr. Rudolf Steinke (Geschäftsführung Berliner Wirtschaftsgespräche e.V.)

Moderation:
Sven Wedig (Geschäftsführer der 4u2play GmbH und SongFor)

Der Eintritt ist frei. Aus organisatorischen Gründen wird allerdings um Anmeldung gebeten: https://www.bwg-ev.net/events/info/vzjjp-berlin-macht-einen-punkt–welche-chancen-bietet-die-top-level-domain-berlin-fuer-die-berliner-wi


Hintergrund der Veranstaltung ist, dass sich in diesem Jahr das System der Domainendungen im Internet einen entscheidenden Schritt weiter entwickelt: Neben den bekannten Top-Level-Domains (TLDs) wie .de, .com, .net und .org werden neue Adressendungen wie .berlin oder .shop möglich. Für die Einführung der neuen Domains ist die unabhängige Organisation ICANN zuständig, die im Oktober 2013 mit der dotBERLIN GmbH & Co. KG einen Vertrag über den Betrieb von .berlin abgeschlossen hat. Das eigens für die Bewerbung für .berlin gegründete Unternehmen wird von der Berliner Senatskanzlei unterstützt. Die neue TLD wird Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen eine eigene digitale Identität im Internet geben und neue Möglichkeiten für das Marketing und die Kommunikation von Unternehmen aus Berlin und solchen, die in Berlin präsent sein wollen, schaffen. Mit .berlin wird eine  konsequente Entwicklung gesehen, die den Bedürfnissen lokaler Unternehmen und Institutionen nach einer besseren Auffindbarkeit im Internet Rechnung trägt. Welche Chancen ergeben sich für Berliner Mittelständler? Gibt die neue Domainendung auch der Berliner Kreativwirtschaft neue Schubkraft? Welche Beiträge kann die Domain-Endung für die Kommunikation und die Identifikation der Stadt leisten? Und welche Rolle sollte die Politik spielen, damit eine eigene TLD für Berlin zur Erfolgsgeschichte wird?

Schauspieler! Und jetzt?

Gastbeitrag von Björn Harras (Schauspieler)

Björn Harras, Schauspieler

Björn Harras, Schauspieler

Fast 6 Jahre ist es nun her, dass ich mein Schauspielstudium in Leipzig abgebrochen habe und nach Berlin gegangen bin, um hier als Schauspieler zu arbeiten. Zugegeben, ich hatte wahnsinnig viel Glück und bin rasend schnell an eine Fernsehrolle gekommen, aber darum soll es hier nicht gehen, sondern um die Unwägbarkeiten danach. Was macht man als Schauspieler in Berlin, wenn man neu ankommt. Oft höre ich von Kollegen, dass sie keinen Job haben, dass sie unzufrieden sind mit ihrer Agentur, dass es wahnsinnig schwer ist, auf dem Markt zu bestehen bei diesen Preisen, dass sie nicht wissen, wie sie ihren Tag bestreiten sollen und sich zu Tode langweilen. Aber muss das der Alltag sein?

Fakt ist, dass gerade Berlin eine unheimliche Schwemme von Schauspielern, ambitionierten und talentierten Menschen und solche, die sich dafür halten, erlebt. Die Mieten und Lebenserhaltungskosten sind noch sehr gering, es gibt unheimlich viele kleine und mittelgroße Off-Theater und Berlin ist sowieso die einzig wahre Metropole in Deutschland. All dies macht es natürlich schwer, sich durchzusetzen. Die Zeiten haben sich geändert, vorbei die Zeit, in denen man sich darauf verlassen kann, dass man ein Leben lang an einem Theater beschäftigt ist. Und vorbei die Zeit, in der man sich bloß eine Agentur suchen musste und schon flatterten automatisch 10 gut bezahlte Drehtage im Jahr herein. Vielmehr ist der normale Arbeitsmarktkampf auch in der Schauspielerei angekommen. Mehr denn je geht es darum, sich immer weiter zu professionalisieren, nie den Sand in den Kopf zu stecken und nach Nischen und eigenen Möglichkeiten zu suchen.

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