Kreativpakt – ein Bündnis aus Kunst, Wirtschaft und Politik

Foto  Peter Ruhenstroth-Bauer

RA Peter Ruhenstroth-Bauer, Kommunikations­berater in Berlin und Bonn ist Unterstützer des Kreativpakt Vereins, Email (info@p-r-b.de)

Vor Wahlen melden sich oft KünstlerInnen als UnterstützerInnen des politischen Spitzenpersonals zu Wort. Im letzten Bundestagswahlkampf, 2009, war das ein wenig anders. Damals haben sich auf Initiative des Musikproduzenten und Radiomachers Tim Renner Kreative aus allen künstlerischen Sparten mit einem überparteilichen Aufruf zu Wort gemeldet, der etwas von der Politik verlangte. Mit dem Aufruf „Wir brauchen einen Kreativpakt!“ formulierten Kreative von Theater über Literatur bis zur Musik erstmals, was sie selbst als Rahmenbedingungen für die von der Politik immer wieder beschworene, zukunftsweisende Kreativwirtschaft verstehen. Als Erstunterzeichner traten damals u.a. der Filmemacher und Oscar-Preisträger  Pepe Danquart, der DJ Paul van Dyk, der Galerist Frank-Thomas Gaulin, die Schriftstellerin Louise Jacobs, der Designer Axel Kufus, der Blogger Sascha Lobo und der Architekt Meinhard von Gerkan auf. Die UnterzeichnerInnen sprachen sich in fünf Bereichen /Bildung, Soziale Sicherheit, Wertschöpfung und Eigentum, Chancengleichheit und Informationsfreiheit für konkrete Verbesserungen aus.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist längst zu einem heimlichen Wirtschaftsfaktor
geworden – und das nicht nur in Berlin. (vgl. Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland 2010. BMWi (Hrsg.) 2012. So waren es vor zwei Jahren schon rund 240.000 Unternehmen die unmittelbar im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig waren. Knapp 90 Prozent von ihnen zählen zu den Klein- bzw. Kleinstbetrieben mit bis zu 10 Beschäftigten. Gerade auch für diese jungen und kleinen Unternehmen sollen, so der Aufruf, die Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden. Und noch eine andere Zahl macht deutlich, dass Kultur- und Kreativwirtschaft eine enorme ökonomische Dimension erreicht hat. Rund eine Million Beschäftigte erzielten einen Umsatz von mehr als 137 Milliarden Euro. Und damit ist diese Sparte auf Augenhöhe mit der Automobilindustrie und generierte mehr Umsatz als die Chemieindustrie.

Frank-Walter Steinmeier hat die Forderungen der Kreativen 2009 in seinen Deutschlandplan aufgenommen. Aber auch nach den letzten Bundestagswahlen standen die Voraussetzungen für eine Weiterentwicklung des Potenzials der Kreativwirtschaft weiter auf der Tagesordnung – in der SPD Bundestagsfraktion aber auch bei den Kreativen selbst: sie hatten sich mittlerweile in dem Kreativpakt – Verein eine Form gegeben, um sich für die Verbesserung der Bedingungen der Kreativen einzusetzen. Frank-Walter Steinmeier und die SPD-Bundestagfraktion hat die Kreativwirtschaft als eines der Schwerpunktthemen in dem langfristig angelegten Diskussionsprozess über das Projekt ”Zukunft – Deutschland 2020“ integriert. Das Ergebnis dieses Prozesses kann man hier nachlesen: Reboot Arbeit, update Urheberrecht, bildet soziale Netzwerke! Der Kreativpakt – ein Bündnis von Kultur, Wirtschaft und Politik“.

Die in der Kreativwirtschaft Beschäftigten, so das Ziel, müssen verlässlich sozial abgesichert sein und die Rahmenbedingungen kreativer Arbeit – vom Urheberrecht über die Netz- und Bildungspolitik bis zur Kultur- und Wirtschaftsförderung müssen so gestaltet werden, dass sie wirklich das Potenzial der Kreativwirtschaft in Deutschland weiter entwickeln.

Auf dem Zukunftskongress der SPD-Bundestagfraktion Mitte September 2012 wurden die Ergebnisse dieses Arbeitsprozesses vorgestellt und diskutiert: so wird ein modernes Urheberrecht gefordert, das sich an der Maxime Vergüten statt verbieten ausrichtet. Die Künstlersozialversicherung (KSK) soll modernisiert und erweitert werden. Hier geht es vor allem um die Neudefinition des Künstlerbegriffs für die KSK. Die Kulturförderung darf sich nicht mehr an dem Prinzip „ einmal gefördert – immer gefördert“ ausrichten, sondern muss Experimente zulassen und Avantgarde fördern. Die Wirtschaftsförderung soll gerade bei den Existenzgründungen stärker an den Voraussetzungen der Kreativwirtschaft gemessen werden. Bildung und Weiterbildung müssen den neuen Anforderungen der Arbeitswelt in der Kreativwirtschaft gerecht werden. Und öffentliches WLAN in öffentlichen Räumen sind neben der gesetzlich verankerten Netzneutralität und Diskriminierungsfreiheit Anforderungen an die Netzpolitik.

RA Peter Ruhenstroth-Bauer, Kommunikationsberater in Berlin und Bonn ist Unterstützer des Kreativpakt-Vereins.

Schauspieler! Und jetzt?

Gastbeitrag von Björn Harras (Schauspieler)

Björn Harras, Schauspieler

Björn Harras, Schauspieler

Fast 6 Jahre ist es nun her, dass ich mein Schauspielstudium in Leipzig abgebrochen habe und nach Berlin gegangen bin, um hier als Schauspieler zu arbeiten. Zugegeben, ich hatte wahnsinnig viel Glück und bin rasend schnell an eine Fernsehrolle gekommen, aber darum soll es hier nicht gehen, sondern um die Unwägbarkeiten danach. Was macht man als Schauspieler in Berlin, wenn man neu ankommt. Oft höre ich von Kollegen, dass sie keinen Job haben, dass sie unzufrieden sind mit ihrer Agentur, dass es wahnsinnig schwer ist, auf dem Markt zu bestehen bei diesen Preisen, dass sie nicht wissen, wie sie ihren Tag bestreiten sollen und sich zu Tode langweilen. Aber muss das der Alltag sein?

Fakt ist, dass gerade Berlin eine unheimliche Schwemme von Schauspielern, ambitionierten und talentierten Menschen und solche, die sich dafür halten, erlebt. Die Mieten und Lebenserhaltungskosten sind noch sehr gering, es gibt unheimlich viele kleine und mittelgroße Off-Theater und Berlin ist sowieso die einzig wahre Metropole in Deutschland. All dies macht es natürlich schwer, sich durchzusetzen. Die Zeiten haben sich geändert, vorbei die Zeit, in denen man sich darauf verlassen kann, dass man ein Leben lang an einem Theater beschäftigt ist. Und vorbei die Zeit, in der man sich bloß eine Agentur suchen musste und schon flatterten automatisch 10 gut bezahlte Drehtage im Jahr herein. Vielmehr ist der normale Arbeitsmarktkampf auch in der Schauspielerei angekommen. Mehr denn je geht es darum, sich immer weiter zu professionalisieren, nie den Sand in den Kopf zu stecken und nach Nischen und eigenen Möglichkeiten zu suchen.

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