Kommt zur Music Cities Convention!

Die Music Cities Convention ist die größte internationale Konferenz, die sich mit den Auswirkungen von Musik auf die Stadtentwicklung und vice versa beschäftigt.  Die Ausgabe in Berlin wird unter folgendem Fokus stehen: „Started From the Bottom, Now We’re Here – Music and Urban Development“

Bei der Music Cities Convention treffen sich mehr als 200 Entscheider aus der Stadtplanung, Musikwirtschaft und Politik, um sich über die Einflüsse von Musik auf die Stadtentwicklung auszutauschen.

In den ersten drei ausverkauften Ausgaben in Brighton und Washington besuchten 500 Teilnehmer aus über 170 Städten und 30 Ländern die Konferenz zu den Beziehungen zwischen städtischer Entwicklung, Stadtplanung, Lebensqualität in Städten, Politik und Musik. Nun organisiert Sound Diplomacy die Music Cities Convention zum ersten Mal in Berlin und zwar am 4. April im Roten Rathaus.

Wer Interesse hat an der ersten Music Cities Convention teilzunehmen, kann sich bei katerina@sounddiplomacy.com melden und einen 20% Discount auf das Ticket erhalten.


Hinweis: Wir finden die Veranstaltung cool und werben deshalb hier für die Teilnahme. Wir bekommen dafür kein Geld und keine Vergünstigungen. Wir sind nicht die Veranstalter und nehmen keinen Einfluss auf die Inhalte dieser Veranstaltung.

6. Verleihung des FairFilmAward

Am 13. Februar ist es soweit: Die Filmschaffenden e. V., Vereinigung der Berufsverbände Film und Fernsehen, laden anlässlich der Berlinale 2016 zum Empfang in die Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin ein. Im Rahmen der Veranstaltung wird zum sechsten Mal die Auszeichnung FairFilmAward, ehemals DER HOFFNUNGSSCHIMMER, vergeben.

Der „Hoffnungsschimmer“ wurde in „FairFilmAward“ umbenannt. Faire Filmprojekte sind durchaus nicht mehr nur eine ferne Utopie, sondern es gibt Jahr für Jahr gut geplante und fair durchgeführte Filmprojekte in allen Genres. Es ist also möglich, sowohl die Mitarbeiter fair zu behandeln und zu bezahlen, als auch ein gutes Produkt abzuliefern. Allerdings zeigt dieser Award leider auch, dass das immer noch nicht selbstverständlich ist.

Fairnesskriterien sind u.a.:

  • gesetzeskonforme Arbeitszeiten
  • Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • faire Verträge und Gagen
  • Arbeitsklima, Kommunikation
  • Professionalität
  • Konfliktlösung
  • Gleichbehandlung der Mitarbeite

Wie in den vergangenen Jahren richtete das Netzwerk crew-united.com, bei dem 28.000 Filmkreative, Schauspieler und Produktionsmitarbeiter gelistet sind, die Branchenumfrage zur Fairness in der Film- und Fernsehproduktion aus. Die bestbeurteilten Produktionen sind für den FairFilmAward nominiert. Der endgültige Gewinner wird durch eine erneute, eingehende Umfrage unter den Teams und Darstellern ermittelt.

Die Nominierten in 2016 (für das Produktionsjahr 2015) sind:

  • Polizeiruf 110 – Wölfe
    TV-Film (Reihe)
    Claussen+Putz Filmproduktion GmbH (vormals Claussen+Wöbke+Putz)
  • Tatort – Das Recht sich zu sorgen
    TV-Film (Reihe)
    Claussen+Putz Filmproduktion GmbH (vormals Claussen+Wöbke+Putz)
  • SMS für Dich
    Kinospielfilm
    Hellinger / Doll Filmproduktion GmbH
  • Radio Heimat – Damals war auch scheiße!
    Kinospielfilm
    Westside Filmproduktion GmbH
  • Dr. Klein (Folge 13-24)
    TV-Serie
    Bavaria Fernsehproduktion GmbH
  • Rico, Oskar und der Diebstahlstein
    Kinospielfilm
    Lieblingsfilm GmbH (vormals: schlicht und ergreifend Film GmbH

Auch dieses Jahr gibt es wieder Produzenten und Produktionsleiter, die schon einmal oder mehrfach nominiert wurden, weil sie auf ihren Grundsätzen bestehen. Aber neue wachsen nach, deren Team sie auf die vorderen Plätze nominiert, weil sie in einem guten Arbeitsklima, mit offener Kommunikation, mit tarifgemäßen und gesetzlichen Gagen und Arbeitszeiten gute und preiswürdige Ergebnisse erreichen.

„Die Filmschaffenden“ wollen die Einhaltung der gesetzlichen und tariflichen Regelungen zu einem wichtigen Kriterium der Zuteilung öffentlich-rechtlicher Aufträge und Förderungen machen.

Die Filmschaffenden e.V. ist der Dachverband der Filmschaffenden-Verbände in Deutschland. Die Bundesvereinigung wurde 2007 in Berlin gegründet. Sie vertritt die übergreifenden gemeinsamen Interessen der Filmschaffenden in der Bundesrepublik Deutschland gegenüber Produzenten, Sendern und Verwertern sowie gegenüber allen Institutionen der Wirtschafts- und Kulturpolitik.

DER FairFilmAward, ehemals Hoffnungsschimmer, die Auszeichnung für faire Produktionsbedingungen am Set wurde 2011 zum ersten Mal vergeben. Die Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände hat diese undotierte Auszeichnung bei Film- und Fernsehproduktionen geschaffen. Das Würdigungskriterium ist so einfach wie selten: Faire Arbeitsbedingungen am Set und die Einhaltung tariflicher Regelungen. In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk  crew united  können über 30.000 Filmschaffende ihre fairste Film- oder Fernsehproduktion, bei der sie mitgewirkt haben, beurteilen. Diese größte Jury Europas kann folgende Formate bewerten: TV-Film, TV-Film (Reihe), TV-Mehrteiler, Kinospielfilm, TV-Serie und Dokumentationen mit einem erheblichen fiktionalen und inszenierten Anteil. Voraussetzung ist der Abschluss der Dreharbeiten in 2015.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website: www.die-filmschaffenden.de.


Oben stehender Text mit freundlicher Genehmigung von http://www.laxypr.de/

Intensiver um die Lebenswelten von Künstlerinnen und Künstlern kümmern

Porträt Joachim Günther

Joachim Günther, Vorsitzender des Kulturforums Stadt Berlin der Sozialdemokratie

Für viele verengt sich das Thema Kultur  in Berlin auf die Frage: Brauchen wir wirklich drei Opernhäuser? Anschließend kommt dann: Und was ist mit Kitas, Schulen und dem öffentlichen Nahverkehr? Das reicht nicht, meint der Vorsitzende des Kulturforums der Berliner Sozialdemokraten, Joachim Günther, in seinem Gastbeitrag.

Kultur ist heute ein Thema in der Mitte der Gesellschaft. Auch diejenigen, die nicht zu den 3 – 5 % der Kulturinteressierten im engeren Sinne gehören konsumieren je nach Vorliebe jeden Tag jede Menge Kultur: Als Leselektüre, im Radio, im Fernsehen und immer mehr im Netz. Musik, Romane, Filme, Serien. Es ist erstaunlich: Obgleich auch die sogenannte „Massenkultur“ immer differenzierter und vielfach auch anspruchsvoller geworden ist, wird Kultur als Nischenthema angesehen. Und ein Gregor Gysi versteigt sich gar in Bezug auf seine eigene Partei zu der These, Kultur gehöre „nicht zum Markenkern der Linken“.

Die Kultur als Streitpunkt

Wie falsch. Nicht nur wir werden immer mehr in kulturelle Bezüge eingebunden – die Kultur ist inzwischen auch ökonomisch zu einem wesentlichen Schlachtfeld um Märkte und Einfluss geworden, ja sie hat es „geschafft“, ein Hauptstreitpunkt im Feilschen um das sogenannte Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA zu werden. Denn es wird mit Recht befürchtet, dass eine totale Liberalisierung zum Verlust vieler einheimischer Kultur- und Kunstprodukte führen wird. Und dies hätte nicht allein ideelle, sondern auch massive wirtschaftliche Folgen.

Schließlich steigt die Zahl derer, die in kulturbezogenen und künstlerischen Berufen arbeiten ständig – derzeit jährlich um ca. 4 %. Das macht absolut: 50.000 mehr „Kreative“ in der Bundesrepublik Jahr für Jahr. Und davon lebt ein durchaus erheblicher Anteil in Berlin.

Viele dieser Menschen pendeln zwischen Kunst, schöpferischer Arbeit, digitaler Organisation und Produktion. Die „kreative Klasse“ – häufig im Zusammenhang mit Aufwertungs- und Verdrängungsprozessen in innerstädtischen Quartieren genannt – ist in der Mehrheit aber genau Beispiel für das Gegenteil – sie ist, obgleich in der Regel gut qualifiziert – die Vorgängerin prekärer Arbeitsverhältnisse und damit so etwas wie der Dritte Stand des 21. Jahrhunderts.

Dass es nicht zuletzt kulturelle Stärken sind, von denen unsere Zukunft abhängt, wird häufig übersehen. Kulturelle Arbeit ist heute ein wesentlicher Bestandteil der gesellschaftlichen Reproduktion, der wirtschaftlichen Tätigkeit, des Wohlstandes. Es ist die Vielfalt des kulturellen Lebens, die erheblich dazu beiträgt, ein Klima der kreativen Produktion zu schaffen. So ist es geradezu paradox: Wir leben immer mehr von der Kreativität – aber viele Kreative können nicht von ihrer Arbeit leben.

Die kreativen Berufe sind daher vor allem in den Städten im Vormarsch, dort wo die SPD vorrangig ihren Anhang organisiert. Die SPD gewinnt aus dieser Klientel auch schon seit einiger Zeit neue Mitglieder. Dennoch ist keine besondere Vorliebe kreativer Klientele für die SPD zu erkennen.

Auf der anderen Seite hat auch die SPD politischen Nachholbedarf und Grund ihren Blick auf diese Klientel zu lenken, denn die soziale Situation von Kreativen deckt sich oft ziemlich gut mit dem, was sich die Partei seit jeher als soziales Credo auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Prekäre Beschäftigung, Mindestlohn und Grundeinkommen

Wer wenig Aussicht auf eine solide sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat, für den ist die Nachricht von der Einführung eines Mindestlohns noch nicht ausreichend, weil sich gerade Künstlerinnen und Künstler häufig in einem Niemandsland zwischen Selbstständigkeit und Arbeitsvertrag bewegen. Möglicherweise ist daher für viele das „bedingungslose Grundeinkommen“ erstrebenswert. Dies trifft – aus vielen nachvollziehbaren Gründen – auf die Skepsis in sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Kreisen. Aber wenn denn dem so ist, dann ist es umso wichtiger, die Frage nach einem angemessenen Einkommen zum Thema zu machen, wie auch andere Fragen der sozialen Sicherung, des Arbeits- und Urheberrechts von Bedeutung sind. Doch die Bedeutung von Kultur und kultureller Arbeit muss weit darüber hinaus gedacht werden. Kulturelle Kompetenz und Bildung sind grundlegend, um mehr Chancengleichheit in der Gesellschaft zu erreichen. Kunst und Kultur sind Katalysatoren von Toleranz und sozialem Miteinander in Zeiten der Globalisierung. Sie sind zugleich Humus für das Weiterdenken, für Fortschritt und neues Denken. Künstlerinnen und Künstler können Impulse geben, Richtungen verstärken – aber sie können sich auch abwenden bzw. sich zunehmend lauter zu Wort melden.

Signale in Richtung der Kreativen senden

Es sind also dicke Bretter zu bohren, um wirkliche Signale in Richtung vieler Kreativer zu senden. Eine Wahlkampfunterstützung von Künstlerinnen und Künstlern in einem Umfang, wie sie in den Zeiten Willy Brandts möglich war, ist nicht einfach wiederholbar. Es war die Aussicht auf mehr Teilhabe in der Gesellschaft, die damals viele Menschen in künstlerischen Berufen an die Seite der SPD führte – ein Thema, das in neuer Form auch heute wieder auf der Tagesordnung steht. Die Verständigung oder gar ein Bündnis mit den Kreativen in der Gesellschaft ist also ein strategisches Ziel für die Sozialdemokratie und zugleich alles andere als ein Selbstläufer. Heute geht es darum, die neuen kulturellen Lebenswelten zu verstehen, sie ernst zu nehmen und daraus eine Politik für die Zukunft zu formulieren.

Joachim Günther

Das Kulturforum ist ein eingetragener Verein, der seine Arbeit aus den Beiträgen seiner Mitglieder finanziert. Der Mitgliedsbeitrag pro Jahr beträgt 50 Euro. Beitrittsformulare und Berichte über die Arbeit des Kulturforums gibt es unter www.kultur-in-berlin.com

Musikszene: Was wird aus der Musikmetropole Berlin, wenn die Kreativen wieder abwandern?

Erik Eitel, Vorstand All2gethernow e.V. / Gründungsmitglied Music Pool Berlin

Erik Eitel, Vorstand All2gethernow e.V. / Gründungsmitglied Music Pool Berlin

Ein Gastbeitrag von Eric Eitel (Vorstand All2gethernow e.V. / Gründungsmitglied Music Pool Berlin)

Im kreativen Umfeld der Kulturmetropole Berlin ist in den letzten Jahrzehnten eine der schillerndsten und renommiertesten Musikszenen entstanden. Diese Entwicklung wurde durch wenig regulierte urbane Räume, als Folge der Wiedervereinigung von Ost- und Westberlin, begünstigt. Die dadurch möglich gewordenen spontanen Aneignungen sowie Zwischennutzungsangebote waren ideale Bedingungen für das Entstehen einer vitalen Clublandschaft und somit reichhaltige Auftrittsmöglichkeiten für Bands und DJs. Niedrige Mieten und generell günstigere Lebenshaltungskosten ermutigten daraufhin viele Musiker und Kreative, sich in Berlin niederzulassen und hier ihrer Kunst nachzugehen.

Bekanntermaßen sind kreative Milieus aber volatile und sehr mobile Formationen, die einem Standort schnell den Rücken zuwenden, wenn neue, aufregendere „Kultur-Hotspots“ mit noch günstigeren Lebensbedingungen entstehen. Die kreative Karawane zieht dann einfach weiter, ein Phänomen, das sich beispielsweise im Fall von Prag plastisch verdeutlichen lässt. Mitte der 90er Jahre lebten in der tschechischen Metropole schätzungsweise 30.000 bis 40.000 amerikanische „Expats“, heute sind es nur noch ungefähr 3000. `Prague Is Over‘ titelte die Washington Post Ende der 90er Jahre. Hauptgründe für die Abwanderung der „Bohemians“, darunter viele Musiker, waren steigende Mieten und Lebenshaltungskosten, Stichwort „Gentrification“ aber auch hohe bürokratische Hürden, die einer gesellschaftlichen Integration und beruflichen Etablierung im Wege standen.

Berlin könnte irgendwann in nächster Zukunft mit einer sehr ähnlichen Situation konfrontiert sein. Die Mieten explodieren, Clubs und Veranstaltungsorte müssen wegen Anwohnerbeschwerden schließen oder werden an die Ränder der Stadt gedrängt. Und andere europäische Städte stehen bereits in den Startlöchern, um die Rolle Berlins als kultureller Magnet für die kreativen Milieus zu übernehmen. In anderen Kreativ-Bereichen, wie der beispielsweise der Internetwirtschaft, ist dies bereits zu beobachten. So hat der populäre Berliner Musik-Streamingdienst Soundcloud neulich ein neues Büro in Sofia eröffnet. Andere Unternehmen wollen jetzt folgen.

Um diesem hausgemachten Trend etwas entgegenzusetzen und die Musik-Szenen nachhaltig an Berlin zu binden ist eine gezielte Unterstützung, nicht nur der Expats, nötig. Gerade im Kontext einer sich in Transformation befindlichen Musikwirtschaft brauchen Musikerinnen und Musiker ein kontinuierliches und vor allem unbürokratisches Beratungs- und Weiterbildungsangebot für Fragen rund um ihre Professionalisierung. Darüber brauchen sie aber auch eine Plattform, auf der Vernetzung stattfinden und Forderungen an Politik und Gesellschaft gemeinsam formuliert werden können. Denn um als Musikkünstler unter den herrschenden Bedingungen erfolgreich bestehen zu können, reicht musikalische Virtuosität zumeist nicht mehr aus. Mit den Möglichkeiten, die die digitale Revolution auch der Musikwirtschaft beschert hat, agieren Musiker heute in den meisten Fällen viel mehr wie ein mittelständisches Unternehmen: von der Finanzierung des nächsten Albums per Crowdfunding, über die Promotion-Arbeit in den sozialen Netzwerken bis zur digitalen Distribution. „Musikmachen“ beinhaltet immer mehr Management-Aufgaben, für die Musikschaffende Beratung und Weiterbildung benötigen.

Und hier schließt sich der Kreis. Um kreative Menschen, wie eben Musiker, an Standorte zu binden, muss man ihnen einerseits die Möglichkeiten aufzeigen, wie sie mit ihrer Kunst ihre Existenz nachhaltig bestreiten können. Darüber hinaus muss ihnen Mitsprache bei der zukünftigen Gestaltung des urbanen Raums und kulturellen Lebens gewährt werden. Denn die Zeiten der illegalen Clubs, der billigen Zwischennutzungen und billigen Mieten, also des unbeschwerten Bohemiantums in Berlin, sind bald vorbei. Wenn Berlin seinen Status als Musikmetropole behalten und ausbauen will, müssen jetzt die Grundlagen für die professionelle Etablierung und Teilhabe der Musikszene und den kreativen Milieus geschaffen werden.

Foto des MusicPool-Teams Berlin.

Das Gründungsteam des Music Pool Berlin (v.l.n.r. Olaf Möller, Andrea Goetzke, Eric Eitel, Kirsten Grebasch, Melissa Perales, Robert Witoschek – Foto: Fabian Zapatka)

Ein Grundstein für eine nachhaltige Förderkultur ist jetzt mit der Gründung des Music Pool Berlin gelegt, ein Kooperationsprojekt des Musik-Think-Tanks all2gethernow e.V., der noisy Musicworld und der Clubcommission, die sich um die Belange von DJs und Clubkultur in Berlin kümmert. Der Music Pool Berlin wird zukünftig als zentrale Anlaufstelle für Musikerinnen und Musiker in Berlin dienen, die Beratung für ihre Professionalisierung suchen und sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen austauschen und vernetzen wollen. Dank der Förderung durch das Musicboard Berlin und Mitteln der EU, ist das Beratungsangebot für Musikschaffende kostenlos und nahezu bürokratiefrei. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Music Pool, die selbst alle aus den unterschiedlichen Musikszenen kommen, erarbeiten mit den Ratsuchenden einen Förderplan, empfehlen Weiterbildungsmaßnahmen oder vermitteln an Experten oder andere, vielleicht schon bestehende Angebote. Mit Hilfe des Music Pool Berlin soll also nicht einfach ein weiterer Förderverein für planlose Künstler geschaffen werden. Vielmehr hilft sich die Musikszene in diesem Fall selbst, in dem sie ohne bürokratische Hürden Bedarfe ermittelt, bestehende Förder- und Beratungsstrukturen nutzt und sich selbst eine Vernetzungsplattform schafft.

Der Music Pool Berlin nimmt seine Arbeit Mitte Januar 2014 auf, die Finanzierung ist vorerst für zwei Jahre gesichert, dann wird zu Evaluieren sein, ob der damit gewählte Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe von der Szene angenommen wird, ob eine nachhaltige Professionalisierung und Vernetzung flächendeckend gelingt und ob dies dazu führt, dass Musikerinnen und Musiker der Stadt auch über die guten alten Zeiten hinaus die Treue halten werden und sie nach ihren Vorstellungen mitgestalten.

Über Music Pool Berlin

Music Pool Berlin startet ab 15. Januar 2014 als die zentrale Anlaufstelle für Musikerinnen und Musiker in Berlin. Das Beratungs- und Qualifizierungsangebot von Akteuren aus der Musik-Szene soll Musikschaffenden Informationen, Weiterbildung und Netzwerkkontakte mit dem Ziel vermitteln, sich in der Musikwirtschaft erfolgreich zu etablieren. Music Pool Berlin ist ein Kooperationsprojekt von all2gethernow (http://www.all2gethernow.de), noisy Academy (http://www.noisy-musicworld.com/academy.html) und der Clubcommission (http://www.clubcommission.de/).

Gründen leicht gemacht?

Ein Erfahrungsbericht aus der Perspektive der Game-Branche

Von Prof. Thomas Langhanki und Nico Nowarra

Nico Nowarra

Nico Nowarra, Dozent für Storytelling und Gamedesign

Es wird viel geschrieben über die Gründungszene in Berlin und die erfreuliche Entwicklung der Investorenlandschaft  am Standort Berlin-Brandenburg. Beinahe könnte der unbedarfte Gründer den Eindruck gewinnen, hinter jeder Ecke lauert bereits ein Business Angel oder VC (Venture-Capitalist) und winkt freundlich mit dem Scheckheft.
Leider ist man als Gründer nie so ganz allein. Es gibt eine ständig wachsende Anzahl an jungen, dynamischen Startups in unserer Region,  die jeden Monat mit neuen – mehr oder weniger – weltverändernden Konzepten die Gründungslandschaft bereichern. Wie kann man sich aus dieser Masse herausheben und was sollte man grundlegend über das Gründen in Berlin und Brandenburg wissen?

Thomas Langhanki

Thomas Langhanki, Professor für Gamedesign

Vielleicht das Wichtigste vorweg: Gründen ist ein Geschäft wie jedes andere auch. Für die frisch gebackenen Unternehmer und vor allem für deren Investoren, geht es in erster Linie darum Profit zu machen.  Ist das verwerflich oder schlecht? Sicherlich nicht. Wie überall gibt es aber Unternehmen und vor allem Menschen, die ihr Geschäft besser oder schlechter verstehen. Die richtige Auswahl der Partner ist daher sicherlich die wichtigste Entscheidung  für ein junges Unternehmen.  Es zweiter Blick kann viel Zeit und Ärger ersparen. Unternehmen und Investor müssen zusammenpassen und vor allem einander verstehen. Eine unerlässliche Hilfe bei der Suche nach dem richtigen Partner fürs Geschäftsleben ist das eigene Netzwerk.

Die Hochschulen und weitere Netzwerkplattformen

Ich habe über die Jahre die Erfahrung gemacht, dass die Studenten, die ich an der Hochschule begleitet habe,  die Möglichkeiten der Vernetzung  mit ihren Kommilitonen und vorhandenen Netzwerken selten ausreichend nutzen.  Dabei ist gerade das Studium an den Hochschulen in Berlin und Brandenburg der Ideale Platz, um als Gründer auf Gleichgesinnte zu treffen. Jede größere und auch kleinere Hochschule hat einen Karriereservice, der häufig auch mit dem Gründen beschäftigt. Darüber hinaus bieten einige Hochschulen Alumni-Vereinigungen an, über die man Verbindungen in die ganze Welt aufbauen kann.

In Berlin und Brandenburg gibt es darüber hinaus eine Vielzahl von Angeboten, die man als Gründer nutzen kann und sollte um sein Netzwerk zu erweitern. Ich werde allerdings nur die erwähnen mit denen ich persönliche Erfahrungen gemacht haben. Ich bin mir sicher, für den Interessierten gibt es ein Vielfaches mehr an guten Angeboten.

Besonders positive Erfahrungen haben wir als Unternehmen mit dem media.net berlinbrandenburg gemacht.  Keine andere Plattform die ich kenne bietet mehr Veranstaltungen und Kontakte für weniger Geld an. Die Angebote für Gründer sind über das ganze Jahr verteilt.  Spezielle INVESTORS‘ DINNER bringen Investoren und Gründer zusammen, das catapult Programm bringt jeden Monat über 100 Gründer in einem konstruktiven Austausch zusammen und vieles mehr. Ein Blick auf die Website lohnt sich in jedem Fall.

Eine andere Möglichkeit ist das MIZ in Potsdam-Babelsberg, das sich vor allem an Neugründer in der Startphase richtet. Wer hier mit frischen Ideen überzeugt kann bis zu ein Jahr nicht nur kostenlos komplett ausgestattete Büroräume nutzen, sondern bekommt ein ganzes Angebotspaket drumherum geboten. Dazu gehört auch der regelmäßige Austausch mit anderen Projekten im Haus, Schulungsangebote zur Weiterbildung, moderne technische Einrichtungen und ein dynamisches Team, das sich um die Anliegen der verschiedenen Projekte kümmert. Es gibt verschiedene Fördermaßnahmen am MIZ, je nach Konzept und Idee.

Eine weitere Möglichkeit seine innovative Ideen zu testen und den Austausch mit Gleichgesinnten zu suchen, ist das SAP Innovation Center in Potsdam. Gemeinsam mit dem Hasso Plattner Institut bietet es viele Plattformen für Gründer.  Das media.net organisiert regelmäßig gemeinsame Termine zum regen Austausch.

Investoren für sich gewinnen

Die Hauptfrage, die viele Gründer beschäftigt ist natürlich: Woher bekomme das Geld zum Starten? Und wie immer gibt es auch hier nicht den einzigen wahren Weg. Letztendlich hat jedes Startup unterschiedliche Herausforderungen und Hürden zu nehmen. Einiges bleibt aber für alle gleich.

Wir haben unsere Firmenidee in den letzten zwei Jahren gefühlt 1000 Mal präsentiert. Dabei hat sich eine Erkenntnis herauskristallisiert: Der berühmte „Elevator Pitch“, bei dem man seine Geschäftsidee in ca. 30 Sekundenpräsentieren muss, hilft tatsächlich Ideen und Konzepte klar zu strukturieren.  Was man in diesen 30 Sekunden nicht vermitteln kann, wird man einem Investor auch nicht in 5 Minuten oder  gar anderthalb Stunde klar machen können. Es lohnt sich immer wieder Zeit in diese 30 Sekunden zu investieren, bis die Formulierung perfekt sitzt.

Wer im ersten Schritt lieber auf Fördermittel zurückgreifen möchte hat die Wahl. Einige Programme gelten speziell für Berlin-Brandenburg, andere werden Deutschland ausgeschrieben oder gar innerhalb der gesamten EU. Hier sollte eigentlich jeder fündig werden. Es gibt eine Vielzahl von Programmen die auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse von Gründern zugeschnitten sind.  In jedem Fall ist es aber wichtig zu wissen, alle diese Programme, auch die kleineren, benötigen erhebliche Arbeitszeit bei der Antragstellung.  Eventuell lohnt es sich einen Spezialisten hinzuzuziehen, der das Unternehmen bei der Auswahl und Formulierung  unterstützt.

Besonders gute Erfahrungen haben wir mit dem Medienboard-Berlin Brandenburg http://www.medienboard.de gemacht. Hier gibt es nicht nur ein kompetentes Team, sondern auch die Bereitschaft sich mit neuen Ideen und ungewöhnliche Konzepte auseinanderzusetzen.

Fazit:
Egal welchen Weg Du gehst, verliere nie die Firma und Dein Produkt aus dem Auge – die harte Realität holt Dich früh genug auf den Boden der Tatsachen.

Prof. Thomas Langhanki ist Gründer und Geschäftsführer der Experimental Game GmbH und Professor für Game Design an der Mediadesign Hochschule Berlin. Er entwickelt, berät und forscht im Bereich von Computer- und Videospielen, seit mehr als 20 Jahren.  Aktuell entwickelt er die erste Technologie zur Umsetzung von interaktiven Serien und Newsformaten.

Nico Nowarra arbeitet als freier Journalist und Autor sowie als Dozent für Storytelling und Gamedesign. Seit rund 15 Jahren sind Computerspiele das zentrale Element seiner Tätigkeit, daneben war er aber auch an der Entwicklung von Hörspielen und innovativen Konzepten für den Hörfunk beteiligt.