Viel getan, viel erreicht und noch viel zu tun – Erste Bilanz des Kreativpakts

Lars Klingbeil zur ersten Bilanz des Kreativpakts mit dem Schwerpunkt Netzpolitik und Digitale Agenda

2009 wurde der Kreativpakt geschlossen. Gemeinsam haben Künstler, Kreativwirtschaft und Politiker vor sieben Jahren eine starke Kreativwirtschaft und eine soziale Absicherung der Kulturschaffenden gefordert. „Reboot Arbeit, update Urheberrecht, bildet soziale Netzwerke!“ war das gemeinsame Ziel.
Zeit für eine erste Bilanz: Was haben wir erreicht? Kommt die Unterstützung bei den Richtigen an? Gefragt ist der Blick nach Vorn. Denn die Welt und vor allem die Kultur haben sich weiterentwickelt. Die digitale Avantgarde ist in aller Munde, doch die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinken hinterher. Die Anpassung des Urheberrechts ist eine ständige Aufgabe, genauso wie kulturelle Bildung und Medienkompetenz für alle. Und wie ist es mit der Digitalen Infrastruktur in Deutschland bestellt? Wie und wann gelingt der Ausbau zum schnellen Internet?

Zur Diskussion möchten wir Euch gerne einladen

Viel getan, viel erreicht und noch viel zu tun
Erste Bilanz des Kreativpakts der SPD-Bundestagsfraktion mit dem Schwerpunkt
Netzpolitik und Digitale Agenda

Diskussion mit Lars Klingbeil, MdB und Sprecher der AG Digitale Agenda der SPD-Bundestagsfraktion

Am Dienstag den 21. März 2017 um 19:00 Uhr im Kurt-Schumacher-Haus
Müllerstr. 163, 13353 Berlin, Franz-Künstler-Saal (1. OG)

Hierzu haben wir den Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil gewinnen können. Als Mitglied und Sprecher der AG Digitale Agenda war er am Kreativpakt der der SPD-Bundestagsfraktion von Anfang an beteiligt. Er gab und gibt wichtige Impulse für die politische Gestaltung der digitalen Gesellschaft und der Umsetzung der digitalen Agenda.

Zusammen mit Lars Klingbeil wollen wir über die Schnittmengen diskutieren, die sich zwischen Kreativpakt/Kreativwirtschaft und der sogenannten Arbeit 4.0 ergeben. Inwiefern könne die Ziele des Kreativpakts Unterstützung für die Berliner Situation darstellen? Wo gibt es erfolgreiche Ansätze? 

Wir freuen uns auf eine spannende und anregende Diskussion.

Konsolidierung und teils immer noch prekär

Die Kreativwirtschaft in Berlin und Brandenburg durchläuft eine Phase der Konsolidierung. Die Euphorie und Aufbruchstimmung aus den Jahren seit 2011 ist deutlich gedämpfter, so konstatiert es der aktuelle Kultur- und Kreativwirtschaftsindex 2015 (KKI).

Dabei hat sich die Kultur- und Kreativwirtschaft in Berlin und Brandenburg zu einer festen Säule der Wirtschaft entwickelt. Bei den Umsätzen (im Jahr 2013) zieht die Branche mit 15,6 Mrd. Euro mittlerweile fast mit der Bauwirtschaft gleich und beschäftigt inzwischen fast 220.000 Erwerbstätige (Angestellte und Selbstständige). Tendenz: weiter steigend.

Dennoch werden im Detail teils erhebliche Unterschiede in der Situation der Teilmärkte deutlich. Nachwie vor ist der Anteil der Kreativen, die von ihren Einkommen schlecht oder gar nicht leben können in den Bildenden und darstellenden Künsten dramatisch hoch. Prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse sind in diesen Bereichen trotz wirtschaftlich guter Gesamtlage nach wie vor anzutreffen. Dabei ist umso alarmierender, dass sich diese Branchen von der Politik schlecht oder gar nicht unterstützt fühlen (42% der Befragten laut KKI).

Zugleich droht Berlin durch den schnellen Wandel gerade im Bereich günstiger Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten einen seiner wesentlichsten Standortvorteile zu verlieren. War dies in früheren Untersuchungen des KKI noch umgekehrt und die gute Wohnraumsituation in Berlin einer der Hauptanziehungspunkte für den Zuzug von Kreativen in die Hauptstadt, so hat sich dies inzwischen ins Gegenteil verkehrt. Dennoch bleibt Berlin wegen seiner Dichte an kulturellen Angeboten, der touristischen Attraktivität, der Vielzahl an Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten und dem hohen Grad der Internationalisierung nach wie vor ein attraktiver Standort. Die Kultur- und Kreativwirtschaft steht dabei zugleich in Symbiose mit vielen anderen Wirtschaftszweigen der Region.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft hat schon für sich in den letzten Jahren nicht nur auf Bundesebene, sondern noch stärker in Berlin-Brandenburg zugenommen. Darüber hinaus geht von ihr jedoch auch eine starke Strahlkraft in andere Wirtschaftszweige aus, z. B. in den Tourismus, oder in alle Branchen, deren Fachkräftebindung durch einen kulturell attraktiven Standort erheblich verbessert wird. Insofern lohnt es, diesem Sektor besondere Aufmerksamkeit zu widmen. (Quelle: KKI2015, S. 3).

Während die Anzahl der Neugründungen in den Kreativbranchen weiterhin rückläufig ist, nimmt das Alter der Unternehmen weiter zu. Daraus lässt sich schließen, dass sich die Kultur- und Kreativwirtschaft stabilisiert und in Teilen bereits in Konsolidierung begriffen ist. Das Marktumfeld entwickelt sich dagegen positiv. Die Absätze für Güter der Kultur- und Kreativbranche stiegen seit 2011 kontinuierlich an, d.h. dass zunehmend mehr Güter auch in der Region abgesetzt werden können und Berlin-Brandenburg damit als Absatzregion an Bedeutung gewinnt. Dennoch spiegeln sich die verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (noch) nicht in den Einkommen wieder. Hier geben im KKI nur noch 38% der Befragten an, mit ihren Einkommen zufrieden zu sein.

Das die Kultur- und Kreativbranche äußerst heterogen strukturiert ist, zeigt sich im aktuellen KKI sehr deutlich. Um Berlin also künftig als Metropolregion der Kultur- und Kreativwirtschaft zu behaupten, braucht es daher in den kommenden Jahren verstärkte und gezielte Anstrengungen seitens der Politik.

Der aktuelle Kultur- und Kreativwirtschaftsindex (KKI) für 2015 ist abrufbar unter: http://www.berlin.de/projektzukunft/ikt-wirtschaft/mobile/artikel/kultur-und-kreativwirtschaftsindex-veroeffentlicht-branche-ist-endgueltig-bedeutender-wirtschaftsfa/

Kreativwirtschaft wächst moderat und gründet weniger

Aussagen aus dem aktuellen Monitoring-Bericht des BMWi

Der aktuelle Monitoring-Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) zeigt positive Entwicklungen in der Kultur- und Kreativwirtschaft auf. So sind die Umsätze um 2% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Die wichtigsten Eckdaten:

  • 249.000 Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft
  • 146 Milliarden EUR Umsatz in 2014 (+2,2%)
  • 1,62 Millionen Beschäftigte (abnehmende Zahl der geringfügig Beschäftigten)

Das Wachstum in der Branche ist dabei sehr unterschiedlich verteilt. Während der Werbe-, Presse- und Kunstmarkt weiterhin schrumpfen, wächst die Software- und Gamesbranche deutlich überdurchschnittlich mit 7%.

Die Zahl der geringfügig Beschäftigten in der Kultur- und Kreativwirtschaft nimmt weiterhin ab, ein positiver Trend, der bereits seit einigen Jahren anhält. Nach wie vor ist die Kultur- und Kreativwirtschaft vorwiegend von Klein- und Kleinstunternehmen geprägt. In den Unternehmen sind durchschnittlich 4 Menschen tätig. Insgesamt liegt die Zahl der Beschäftigten in der Kultur- und Kreativwirtschaft aber über den Beschäftigtenzahlen der Automobilindustrie, dem Maschinenbau oder der chemischen Industrie.

Die Zahl der Neugründungen hat weiter nachgelassen und erreicht nun den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Mit Ausnahme der der Software- und Gamesbranche sind alle anderen Teilmärkte seit Jahren rückläufig. Das ist insofern bedeutend, als dass es gerade die kleinen und neu gegründeten Unternehmen sind, welche als besonders innovativ eingeschätzt werden. Die Innovationskraft der Kultur- und Kreativwirtschaft strahlt dabei auch in andere Branchen aus.

Der Monitoring-Bericht ist abrufbar auf den Seiten des BMWi unter: http://www.kultur-kreativ-wirtschaft.de/KuK/Navigation/Mediathek/publikationen,did=741868.html

Digitalisierung: Von den Kleinen Lernen

Studie zur Digitalisierung der Berliner Wirtschaft

Berlins Wirtschaft ist bei der Digitalisierung auf einem guten Weg. Das sagt eine aktuelle Studie der IHK Berlin.

Danach sehen sich 40-45% der von der IHK Berlin befragten Unternehmen für die digitale Zukunft gut gerüstet. Befragt wurden 280 Unternehmen aus unterschiedlichen Wirtschaftszweigen. Dabei sind gerade die kleinen Unternehmen Vorreiter bei der Digitalisierung, allen voran die Berliner Digital- und Kreativwirtschaft. Diese mit 1-19 MitarbeiterInnen meist sehr kleinen Unternehmen haben den mit der Digitalisierung einhergehenden Wandel der Geschäftsmodelle zu großen Teilen bereits vollzogen und sehen sich für den zunehmenden Wettbewerb und für die Bedrohung bisheriger Geschäftsmodelle gut gerüstet. Die größeren Unternehmen erwarten noch starke Veränderungen in ihrer Branche und nicht jedes Unternehmen sieht sich hierfür derzeit richtig aufgestellt. Die IHK sieht hier vor allem für mittelständische Unternehmen große Chancen, wenn diese ihre Digitalisierungsbemühungen verstärken.

Die Studie ist abrufbar von der Internetseite der IHK Berlin.