Wenig Wagnis, kaum Gewinner? – Berliner Startups und der Zugang zu Kapital

Der Fachausschuss Wirtschaft, Arbeit und Technologie (VII) der SPD Berlin lädt ein.

Dienstag, 12. Dezember 2017, Beginn 19 Uhr
Kurt Schumacher Haus, Landesverband der SPD Berlin
Erika-Heß-Saal, 1. Etage
Müllerstr. 163 (S- und U-Bahnhof Wedding)
13353 Berlin-Wedding

Berlin ist nach wie vor die Gründungshauptstadt Deutschlands. In keinem anderen Bundesland wagen mehr Menschen – bezogen auf den Bevölkerungsanteil – den Schritt in die Selbstständigkeit als in Berlin. Zu diesem Erfolg beigetragen hat nicht zuletzt das dichte Unterstützungsangebot des Landes für junge Unternehmen. Doch trotz der großen und vielfältigen Anzahl an Förderangeboten- und -maßnahmen bemängeln viele junge Unternehmen und Startups den Zugang zu Fördermitteln. Ebenfalls im Angebot ist der Bereich privat fundierter Unter­nehmens­finanzierung (Business Angels, Venture Capital). Doch ist dieser in der Metropolregion Berlin-Brandenburg noch immer zu gering ausgeprägt.  „Wir brauchen einen Quantensprung bei der privaten Unter­nehmens­finanzierung“, forderte  Dr. Hendrik Brandis (Wagniskapitalgeber earlybird) auf der Wirtschaftskonferenz der Berliner SPD im Sommer 2017.

Wie schaffen wir ein sich selbst verstärkendes Finanzierungsumfeld in unserer Region und welche Rolle können Förderprogramme dabei spielen? Diese Fragen und Herausforderungen beim Zugang zu Finanzierungsmitteln wollen wir diskutieren und daraus Lösungen für politische Agenda entwickeln.

 

Begrüßung: Barbara Loth, Vorsitzende des Fachausschusses Wirtschaft, Arbeit und Technologie

Es diskutieren:

Christian Rickerts, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Thomas Schröter, Vorstandsvorsitzender SIBB e.V. – Verband der IT- und Internetwirtschaft  in Berlin und Brandenburg

Alexander Kölpin, COO und Partner bei WestTech Ventures GmbH


Moderation: Hanno Fischer
, Fachausschuss Wirtschaft, Arbeit und Technologie

 

In der Innovationsfalle?

Wirtschaft und Arbeitswelt verändern sich rasant. Aber innovative Unternehmer und neue Ideen haben es schwer in Deutschland. In seinem Buch „In der Innovationsfalle“ beschreibt Malte Behrmann, Hochschullehrer an der bbw Hochschule in Berlin, wie Innovationen behindert werden und wie sich Strukturen ändern müssen.
Prof. Malte Behrmann (46) hat 2004 den Bundesverband der Entwickler von Computerspielen (G.A.M.E e.V.) mitgegründet und jahrelang für ihn gearbeitet, er ist Anwalt und unterrichtet an einer privaten Hochschule Medien-Management, Kommunikation und Recht. Aus seinen persönlichen Erfahrungen und Einblicken ist ein spannendes und lebendiges Buch entstanden, das in zwölf Einzelkapiteln Probleme und Chancen der Digitalisierung und der gegenwärtigen Strukturveränderungen beschreibt.

Foto von Malte Behrmann und Dorothee Bär

Malte Behrmann und Dorothee Bär, MdB. Foto: Ulrich Horb

Behrmann berichtet von den Begegnungen mit innovativen Unternehmerinnen und Unternehmern und der Politik und sieht erheblichen Handlungsbedarf. Erfolgreiche Gründer haben nach Behrmanns Erfahrung keinen unbedingt gradlinigen Lebenslauf, ja oft noch nicht einmal einen Studienabschluss. Einige gelten als Außenseiter. Und sie stoßen häufig genug auf Widerstände, weil sie mit ihren Innovationen die bestehende Ordnung bedrohen. Förderprogramme sind lückenhaft, so Behrmanns Feststellung, viele Gründer fallen durch alle Raster, eine vernünftige Startup-Förderung müsste das Risiko auf ein verträgliches Maß beschränken. Heute sind es oft nur die Berater, die gut verdienen.

Innovationen sind nicht zwangsläufig nur neue Technologien, es kann sich auch um ein neues Design oder eine Geschäftsidee handeln. Öffentlich geförderte Entwicklung hält Behrmann nicht immer für innovativ, sinnvoll könnte es dagegen sein, erfolgreiche Projekte, die ohne Fördermittel entstanden, beim Markteintritt zu unterstützen. Das aber sehen die Förderrichtlinien meist nicht vor. Ebenso wenig wie neue Software oder innovative Gestaltung bislang förderwürdig erscheinen.

Auch wenn es der deutschen Wirtschaft derzeit augenscheinlich gut geht – ohne Innovation lässt sich das nicht bewahren. Deutschland braucht kreative Köpfe und findige Startups. Aber sie haben einen Wettbewerbsnachteil: Der deutschsprachige Markt ist viel kleiner als der amerikanische – bei gleich hohen Fixkosten amortisiert sich eine Investition damit nicht schnell genug. Letztlich aber führt das auch dazu, so Behrmann, dass es Kulturgüter aus dem deutschsprachigen Raum, zu denen er etwa auch Computerspiele zählt, schwer haben. Mittels eigener Medienprodukte aber werde auch unsere Kultur medial reproduziert. Deshalb müsse der Heimatmarktanteil eine relevante Größe erreichen.

„Mit Fug und Recht kann die Medien- und Kreativwirtschaft als Blaupause für die Digitalisierung der gesamten Wirtschaft angesehen werden“, so Behrmann. Die Revolution im Medienbereich, der Streit um Piraterie und Urheberrecht, der kommerzielle Erfolg von Browserspielen und Spielplattformen im Internet, der Ersatz gedruckter Medien durch Tablets – aus all dem müssten Lehren für die weitere Digitalisierung gezogen werden. „Erkenntnisse wie das the winner takes it all-Phänomen gelten auch für die digitale Wirtschaft“, stellt Behrmann mit Blick auf Google und andere monopolähnliche Unternehmen fest. Und die deutschen Industrieunternehmen sollten mehr als bisher den direkten Draht zum Kunden pflegen und diesen Kontakt (und damit die Daten) nicht anderen überlassen.

Die Förderung von Gründerbereitschaft sieht Behrmann als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Derzeit gebe es eine große Koalition der Arbeitsplatzbesitzer. Und noch immer herrsche ein altes Bild von Selbständigen vor, die genug Geld verdienen, um sich und ihre Mitarbeiter zu ernähren. Der Alltag vieler Selbständiger sehe heute jedoch anders aus, ihre soziale Absicherung sei gering. Und altbewährte Sozialpartnerschaftsmodelle funktionieren zwar in den großen Betrieben, aber nicht unbedingt in Startups.

Neue Überlegungen fordert Behrmann beim Schutz des geistigen Eigentums. Das Urheberrecht dürfe nicht missbraucht werden, um Patente in der Schublade verschwinden zu lassen. Es müsse eine Abwägung zwischen privaten Eigentumsansprüchen und dem Interesse der Allgemeinheit geben.

Oft gelinge es heute nur großen Unternehmen, Fördertöpfe, sofern überhaupt vorhanden, ausfindig zu machen. Kleine und mittlere Unternehmen bleiben auf der Strecke. Das Innovationssystem müsse durchlässiger werden, neue Unternehmen sollten auch direkt finanziell unterstützt werden, so Behrmann. Und er fordert ein eigenständiges Startup-Förderprogramm mit jährlich 200 Millionen Euro Fördervolumen. Erfolge lassen sich nur schwer voraussagen, sie kommen mitunter auch völlig überraschend. Nicht immer wird das Risiko belohnt, auch Scheitern und Neuanfang sind möglich. Auch das zu akzeptieren wäre innovativ. — Ulrich Horb


Malte Behrmann, In der Innovationsfalle: Überlegungen zu einer zukunftsfähigen Innovationsförderung, 198 Seiten, ibidem Verlag, Sept. 2017, ISBN-13: 978-3838211398, 19,90 Euro

Wirtschaftskonferenz der SPD Berlin „DIGITALISIERUNG – MOTOR FÜR BERLINS WIRTSCHAFT“ am 27.06.2017 im Willy-Brandt-Haus in Berlin

Jetzt anmelden: http://www.spd.berlin/wirtschaftskonferenz2017

Beginn: 19 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr
Willy-Brandt-Haus
Wilhelmstraße 141
10963 Berlin
U-Bhf. Hallesches Tor, S-Bhf. Anhalter Bahnhof

Der Berliner Wirtschaft hat in den letzten zehn Jahren – maßgeblich getragen von Innovationen und Geschäftsmodellen in der IT- und Digitalbranche – einen beachtlichen ökonomischen Aufholprozess hingelegt. Berlin kann sich zur Metropolregion der Digitalwirtschaft und künftiger Branchen einer sich abzeichnenden Industrie 4.0 entwickeln, wenn wir die Veränderung der Wirtschaft politisch begleiten und gestalten. Die Handlungsfelder für ein Ökosystem aus Startups, Industrie 4.0 sowie zukunftsgerichteter Technologie- und Innovationspolitik wollen wir in drei Themenpanels auf der Wirtschaftskonferenz mit Akteuren der Branchen diskutieren und Handlungsfelder für die Landespolitik entwickeln.

PROGRAMM:

Begrüßung: Barbara Loth, stv. SPD-Landesvorsitzende

Key Note: Michael Müller, SPD-Landesvorsitzender

Diskussion in Panels:

Startup-City Berlin

Moderation: Dr. Margaretha Sudhof

  • Hendrik Brandis, Partner bei Earlybird Venture Capital GmbH & Co. KG
  • Christoph Hohmann, Leiter Digital Business Development Volkswagen Berlin
  • Anna Kaiser, CEO Tandemploy GmbH
  • Sascha Schubert, Stellvertretender Vorsitzender Bundesverband Deutsche Startups e.V.

Industrie 4.0 in Berlin

Moderation: Sabine Smentek

  • Michael Bültmann, Geschäftsführer HERE Deutschland
  • Acis Demandt, COO Berliner Glas
  • Christian Hoßbach, Stellvertretender Vorsitzender DGB Bezirk Berlin-Brandenburg

Berliner Technologie- und Innovationspolitik

Moderation: Björn Böhning

  • Philipp Bouteiller, Geschäftsführer Tegel Projekt GmbH
  • Dr. Gesche Joost, Professorin an der Universität der Künste Berlin, Digital-Botschafterin in der Initiative Digitale Champions der EU-Kommission
  • Dr. Christian Thomsen, Präsident Technische Universität Berlin

Podium mit Ausblick:

Moderation: Dr. Markus Klimmer, Unternehmens- und Politikberater

  • Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei Berlin
  • Sabine Smentek, Staatssekretärin für Informations- und Kommunikationstechnik
  • Margaretha Sudhof, Staatssekretärin für Finanzen

 

Networking und Get-together

Digitalisierung der Musikwirtschaft

„Die Digitalisierung wird die gesamte wirtschaftliche, insbesondere die industrielle Wertschöpfungskette noch einmal verändern. Sie ist daher die Grundvoraussetzung für die Behauptung unserer nationalen und internationalen Wettbewerbsfähigkeit“, so beschreibt Berlins Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe die Digitale Agenda des Landes. In der Musikbranche hat die Digitalisierung schon frühzeitig begonnen. Über die dabei gewonnenen Erfahrungen berichteten jetzt auf einer Veranstaltung des Fachausschusses Wirtschaft Verena Blättermann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und politische Kommunikation und stellvertretende Geschäftsführerin des Verbands unabhängiger Musikunternehmen (VUT) und Katja Hermes, Geschäftsführerin des deutschen Büros von Sound Diplomacy, einer Beratungsagentur für den kulturellen Export.

Katja Hermes (Sound Diplomacy) und Verena Blättermann (Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V.). Foto: Ulrich Horb.

Es ist eine kleinteilige Branche. Für Innovationen in der Musikindustrie, so Verena Blättermann, sorge vor allem die Vielzahl der Selbständigen, der kleinen und mittleren Unternehmen, die schon früher als die Majors einen höheren Einnahmeanteil aus dem Streaming erzielten. Musik in der Stadt bedeute aber mehr als nur die Musikwirtschaft, es sind auch die Chöre, die Clubs, die Opernhäuser, die Musikschulen.

Berlin sei eine Musikstadt und werde auch so wahrgenommen, so Verena Blättermann. Die Stadt gehört u.a. zu den wichtigsten Zentren für elektronische Musik weltweit.  Es ist eine Stadt, in der die ganze Wertschöpfungskette realisiert werden kann. In der Vergangenheit hat Berlin seine Anziehungskraft auch durch künstlerische Freiräume, bezahlbaren Wohnraum und günstige Lebenshaltungskosten gewonnen. Ändern sich die Rahmenbedingungen, dann könnten irgendwann andere Städte  davon profitieren, so Verena Blättermann. In Deutschland ist es vor allem Hamburg, das die Musikindustrie kontinuierlich fördert und mit dem Reeperbahnfestival einen attraktiven Ort der Begegnung geschaffen hat.

Einige Handlungsmöglichkeiten für Berlin sind in der Studie „beyond! before! bright! in Berlin“  zusammengefasst, die Verena Blättermann vorstellte. So etwa der Aufbau Innovativerer, internationalerer Netzwerke, denn den digitalen Innovatoren sei das Angebot der Netzwerke und Verbände in Berlin bisher zu wenig zukunftsgerichtet.  Um die Arbeit der Führungskräfte zu erleichtern und neue Strategien zu entwickeln, sollte es für die digitalen Musikinnovatoren exklusive Meetings geben. Empfohlen werden besser abgestimmte und internationalere Veranstaltungen, Plattformen und Festivals mit Musik- und Digitalisierungsbezug. Im Bereich Festivals und Veranstaltungen, stellt Verena Blättermann fest, fehle Berlin eine strahlende, herausragende Plattform. Die geringere Bezahlung in der Musikindustrie in Berlin könne angesichts des internationalen Wettbewerbs zu einem Mangel an Fachkräften führen. Umso wichtiger sei  es, dass der Standort Berlin die vor allem auch internationalen Fachkräfte weiterhin durch günstige Lebenshaltungskosten und eine attraktive Clubkultur anlocke und an sich binde. Freiräume in der Stadt müssten erhalten bleiben und geschützt werden. Gentrifizierung sei auch eine Belastung für die Unternehmen, so die Studie. Zudem sollte die Berlin Music Commission Kompetenzen für die digitale Produktion vermitteln.

Katja Hermes hält eine übergeordnete Vision für alle Bereiche der Musik für notwendig. In der Diskussion kamen auch gut funktionierende Praxisbeispiele wie der „Night Mayor“ in Amsterdam zur Sprache, der sich speziell um die Belange der Clubszene und der Nighttime-Wirtschaft kümmert. Das betrifft auch die Stadtentwicklung, die öffentlichen Verkehrsangebote. Verena Blättermann regte bessere Förderinstrumente für Kleinst- und Kleinunternehmen an. Sie plädierte dafür, nicht ein neues Festival mit Fördermitteln aufzubauen, sondern diese Förderung in die Branche zu investieren. Das Ende der Berlin Music Week habe gezeigt, wie schwierig es sei, die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen.

Transparente Lösungen müsste es bei der Entwicklung neuer Einkommensströme und bei Lizenzmodellen mit Plattformen wie YouTube geben. Die neue dritte Welle der Digitalisierung, in deren Fokus vor allem die Selbstvermarktung steht, wird die Branche weiter strukturell verändern. Neue Formen der Zusammenarbeit werden nötig, wenn etwa YouTube keine Verträge mit Einzelpersonen abschließt. Die Musikbranche hat wieder eine Vorreiterstellung inne, wenn es um die Entwicklung neuer Modelle und das Erkennen von Regelungsbedarf  geht.

Ein wichtiges Anliegen von Verena Blättermann und Katja Hermes ist die Förderung von Frauen in der Musikbranche. So hat der Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V. (VUT) vor zwei Jahren ein Mentoring-Programm speziell für den weiblichen Nachwuchs der Musikbranche ins Leben gerufen, das weiter ausgebaut wird.

Weitere Informationen/Studien zum Thema:

Kreativpakt: Lars Klingbeil zieht erste Zwischenbilanz

2009 gaben einige Kreative den  Anstoß – die SPD-Bundestagsfraktion sorgte dann für die Umsetzung:  In einem   Kreativpakt  wurde die Verabredung getroffen, sich gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen im künstlerischen und kreativen Bereich einzusetzen.  Auf Einladung des Fachausschusses Wirtschaft der Berliner SPD hat Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, jetzt eine Zwischenbilanz gezogen. Priorität müsse künftig das Thema  Arbeit  haben, so Klingbeil. Hier gebe es angesichts der digitalen Entwicklungen die größten Sorgen und Unsicherheiten unter den Beschäftigten.

Lars Klingbeil

Lars Klingbeil zu Besuch im Fachausschuss Wirtschaft der Berliner SPD zur ersten Bilanz des Kreativpakts.

Digitalisierung ist das große Thema der kommenden Jahre.  Arbeitsabläufe und Berufsbilder verändern sich. Das mache den Menschen Angst, wie in Amerika zu sehen sei, so Klingbeil.  „Wir wissen, es wird Veränderungen geben. Deshalb müssen wir für vernünftige  Rahmenbedingungen sorgen.“ Es dürften nicht immer nur Risiken der Digitalisierung gesehen werden, auch die Chancen müssten erkannt werden.

Eine weitere wichtige Aufgabe im Rahmen einer Fortschreibung des Kreativpakts ist für Klingbeil  der Ausbau der Infrastruktur. Und nicht zuletzt wünscht sich Klingbeil einen anderen Umgang mit Daten.  Nicht das Verhindern von Datenweitergabe ist sein Thema – Klingbeil geht es um die Datensouveränität der Bürgerinnen und Bürger, um den selbstbestimmten Umgang.  Die Verwertung von Daten sieht er als Geschäftsmodell, das nicht allein amerikanischen Konzernen überlassen werden sollte. Aber er räumt auch ein, dass er mit seiner Position zur Datenpolitik in der SPD-Fraktion noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten hat.

Seitdem die SPD der Bundesregierung angehört, konnten etliche Vorhaben aus dem Kreativpakt  umgesetzt werden, so Klingbeils Zwischenbilanz. Allein 800 Handlungsempfehlungen haben sich aus dem Bericht der Enquetekommission „Internet und digitale Gesellschaft“ ergeben. Kritisch sieht er inzwischen die Verteilung der Aufgaben auf drei verschiedene Ressorts:  Wirtschaft, Verkehr und Inneres. Besser wär ein eigenes Ministerium oder eine Zuordnung  zum Wirtschaftsministerium oder zum Bundeskanzleramt. Denn Lars Klingbeil drängt aufs Tempo, gerade wenn er Deutschland im Vergleich zu asiatischen Ländern sieht. Was den Ausbau der digitalen Infrastruktur angeht oder den Einsatz von digitalen Unterrichtsmitteln  angeht, bestehe Nachholbedarf.

Die soziale Absicherung von Beschäftigten im Kultur- und Kreativbereich ist eines der wichtigsten Ziele des Paktes. Klingbeil wies u.a. auf die gelungene Stabilisierung der Künstlersozialkasse hin.  Über  die Gestaltung von Homeoffice-Arbeitsplätzen und zukunftsfähige Arbeitszeitregelungen  müsse es gesellschaftliche Diskussionen geben. Hier gebe es unterschiedliche Vorstellungen von Freiberuflern, Gewerkschaften und Betrieben. Es werde einen erheblich wachsenden Anteil von Menschen geben, die nicht mehr in Normalarbeitsverhältnissen tätig sind. Gerade die Kreativbranche sei hier im Vergleich zu anderen Branchen 10 Jahre voraus.

Zu den Erfolgen des Kreativpakts zählt, dass ein „Freiwilliges soziales Jahr digital“ auf den Weg gebracht wurde.  Kulturprojekte und soziale Einrichtungen profitieren dabei von den Fähigkeiten und Kenntnissen junger Menschen auf  diesem Gebiet.  Was den Umgang mit sozialen Medien und die  rechtlichen und regulatorischen  Fragen in diesem Zusammenhang angeht, gibt es seit Mai 2016 ein Grünbuch des Bundeswirtschaftsministeriums, das entsprechende Instrumente vorschlägt. Die SPD-Bundestagsfraktion, so Klingbeil, wolle den Wettbewerb sichern und Marktmissbrauch verhindern.  Dazu trägt auch die Netzneutralität bei, die verhindert, dass einzelne Anbieter  Daten im Internet bevorzugt transportieren können. Bei WLAN-Angeboten in Internet-Cafés ist die Störerhaftung weggefallen.

Aufgaben gibt es noch viele, das machte auch die anschließende  Diskussion  deutlich. Die Kreativszene wünscht sich weniger Bürokratie und passgerechte Fördermöglichkeiten. Die Datensicherheit für kleine und mittlere Betriebe, aber auch für Behörden, muss verbessert werden.  Es muss mehr in Bildung und Qualifikation investiert werden. Für eine Klärung, wie und mit welchen Daten umgegangen wird, könnte eine Expertenkommission sorgen. Kultur und Kreativwirtschaft, so zeigte sich Lars Klingbeil überzeugt, werden daher auch im Wahlprogramm zur Bundestagswahl den entsprechenden Raum einnehmen.